{"id":82,"date":"2015-02-23T14:33:56","date_gmt":"2015-02-23T13:33:56","guid":{"rendered":"http:\/\/mittlinger.at\/w\/?p=82"},"modified":"2021-02-03T11:49:31","modified_gmt":"2021-02-03T10:49:31","slug":"theologische-reflexionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mittlinger.at\/w\/?p=82","title":{"rendered":"theologische reflexionen"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a>Flucht in die Virtualit\u00e4t<\/a><a href=\"http:\/\/mittlinger.at\/w\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Jesus-und-die-Ehebrecherin-1.docx\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n<h3>\u00a0<\/h3>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>(10. J\u00e4nner 2021)<\/p>\n<h3><strong>\u00a0<\/strong><span style=\"color: #339966;\"><strong>Flucht in die Virtualit\u00e4t<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Ich habe mir den Dreik\u00f6nigsgottesdienst mit Bischof Krautwaschl in ORF III angesehen und kam ins Gr\u00fcbeln. Nat\u00fcrlich ist diese Form der Coronaepidemie geschuldet, ich sp\u00fcre aber eine Tendenz, an dieser virtuellen Form Gefallen zu finden &#8211; nicht als Notma\u00dfnahme und nicht f\u00fcr Alte und Kranke, die in dieser Form den Faden nicht verlieren wollen, dagegen will ich nat\u00fcrlich nichts sagen: diese virtuellen Gottesdienste fokussieren auf das Tun des Priesters und insinuieren, das sei das Wesen einer Eucharistiefeier. Mitnichten, wenn wir uns ein bisschen n\u00e4her mit dem Entstehen des Rituals der Abendmahlsfeier besch\u00e4ftigen. Die Urgemeinde wollte dem Impuls Mt 18, 20 \u201eWo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen\u201c folgen und versammelte sich am Sonntag in den H\u00e4usern, die gastgebenden Hausleute und auch vazierende Frauen und M\u00e4nner, die sich besonders um die Verbreitung der Jesusbotschaft verpflichtet f\u00fchlten, erinnerten\u00a0 beim \u201eLiebesmahl\u201c, dem \u201eBrotbrechen\u201c, an die Worte, die Jesus ihnen mitgegeben hatte und in diesem Geist a\u00dfen sie das herumgereichte Brot und tranken aus dem Becher den Wein. Jesus war mitten unter ihnen. Aus dieser Energie heraus gestalteten sie ihr Leben als Christinnen und Christen, wie sie alsbald genannt wurden. Bei den Videogottesdiensten fehlt die versammelte Gemeinde um den Tisch herum, diese geht uns umso weniger ab, als wir ohnehin in die B\u00e4nke verbannt und l\u00e4ngst in die Rolle der Zuschauenden gedr\u00e4ngt sind, wenngleich durch die Liturgiereformen des 20. Jahrhunderts hier versucht wurde, das zu ver\u00e4ndern. Der H\u00f6hepunkt dieser virtuellen Form ist durch die Pandemie bedingt, das Austeilen des Brotes \u00fcberhaupt auszusetzen. Ja, wozu dann denn diese ganze Feier, wenn das, worauf es ankommt, nicht stattfinden kann. Dann ist diese sog. Eucharistiefeier ein sch\u00f6nes Schauspiel mit einem Priester in der Hauptrolle \u2013 und das war es dann auch schon. Dann geht man vielleicht am Nachmittag in die Kirche, weil dann die Begegnung mit anderen Menschen verhindert werden kann und betet das heilige Brot im Tabernakel an. Wir sind nahe am Verehren der Hera im Keuschlammstrauch im Heraion auf Samos, um irgendeine heilige Handlung im religi\u00f6sen Kontext zu assoziieren. Tendenz: k\u00f6rperlose und virtuelle Gottes\/G\u00f6ttinnenverehrung ohne sozialen Bezug. Und gerade der soziale Bezug macht das Christentum.<\/p>\n<p>W\u00e4re nicht der richtigere Weg angesichts der Notlage, die eucharistischen Rituale n\u00e4her in die Familien zu ziehen, auch in die Kleinfamilien, die Eltern erinnern an das Urereignis und brechen miteinander das Brot, ich wei\u00df nat\u00fcrlich auch, dass dies eine totale \u00dcberforderung ist, aber k\u00f6nnen nicht noch immer (!) engagierte Frauen und M\u00e4nner in den Gemeinden eingef\u00fchrt werden in diese Feiern von Hauskirchen, die wohl bald zu den sonnt\u00e4glichen (weil wir ja auch j\u00fcdisch denken, auch in die samstagabendlichen) H\u00f6hepunkten des Glaubenslebens geh\u00f6ren k\u00f6nnten und die elende \u201eSonntagspflicht\u201c obsolet machen w\u00fcrden. Die Feiern im Rahmen des Kirchenjahres m\u00fcssten dabei weiterhin zu den Eckpunkten des Gemeindelebens rund um die Pfarrkirchen bleiben, k\u00f6nnten mit weniger Kraftanstrengung gel\u00f6ster in der Pfarrgemeinde (oder welche Form der Zugeh\u00f6rigkeit immer gedacht wird) stattfinden.<\/p>\n<p>Der Versuchung, diese virtuellen Gottesdienste k\u00f6nnten uns weiterf\u00fchren, kann bildhaft entgegen gehalten werden, dass Taufen im Fernsehen ein absolutes No-Go sind, weil hier der sakramentale Charakter sinnenf\u00e4llig zutage tritt, der uns beim eucharistischen Brot (in dieser abstrahierten Form einer Oblate) schon durch die Bezeichnung \u201eAltarssakrament\u201c abhanden gekommen ist.<\/p>\n<p>Richtungs\u00e4nderung ist angesagt! Ich wei\u00df, dass meine Gedanken keineswegs neu sind, ich \u00e4u\u00dfere sie trotzdem.<\/p>\n<p><strong>Liebe Freundinnen und Freunde der Grenzgespr\u00e4che,<\/strong><\/p>\n<p><strong>zu meinem Beitrag \u201eFlucht in die Virtualit\u00e4t\u201c sind erfreulich viele Reaktionen eingetroffen, dem Sinn einer virtuellen Diskussion entsprechend, Reaktionen, die ich weitergeben m\u00f6chte, damit sie in ein weiteres \u201eGespr\u00e4ch\u201c einflie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Emails wenden sich an mich, ich habe sie anonymisiert und jene Teile weggelassen, die nicht zum Thema geh\u00f6ren, damit keine Missverst\u00e4ndnisse auftreten oder Verd\u00e4chtigungen in die Welt gesetzt werden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>I.<\/strong><\/p>\n<p>Lieber Karl\u2026 steht an den meisten Emails als Anrede\u2026<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>1<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Konzentration auf den Priester (=Darsteller) ist ein alter Makel und wenn das auch noch virtuell ist, wird es noch brisanter. Abgesehen von diesen Gefahren im Zuge der Pandemie weiter viele Leute als \u201eKirchg\u00e4nger\u201c zu verlieren, wirfst Du nat\u00fcrlich die Frage auf, ob es \u00fcberhaupt eines Geistlichen bedarf. Meines Wissens nach haben bereits Pico von Mirandola und auch Luther die Auffassung vertreten, der Mensch k\u00f6nne mit Gott(G\u00f6ttin) direkt in Verbindung treten. Das unterst\u00fctze ich zu 100 Prozent.<\/p>\n<p>Die andere Seite ist die soziale Begegnung, die virtuell nur sehr begrenzt m\u00f6glich ist. Wenn wir uns vergegenw\u00e4rtigen, welchen festen Halt Menschen in Kriegszeiten oder w\u00e4hrend Pestepidemien fanden und ein \u201eUrvertrauen\u201c auf Gott ihnen Hilfe war, l\u00e4sst sich erahnen, dass der \u00fcberwiegende Teil der Menschen (zumindest in unseren Breiten) eine Sehnsucht nach etwas \u201eG\u00f6ttlichem\u201c hat, die irgendwie gestillt werden muss. Dazu bekenne ich mich auch gerne pers\u00f6nlich.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich selbst ist der Messbesuch in den letzten Jahren zunehmend bedeutungslos geworden. Ich kann keinen Sinn darin finden, in den Kirchenb\u00e4nken zu sitzen und Gebete mitzumurmeln, die mich weder ansprechen noch \u00fcberzeugen. \u00a0Zunehmend st\u00f6ren mich auch die im Prinzip grausamen Fresken und Heiligendarstellungen, die mich umgeben. Die Vorstellung einer Kirche als \u201eFolterkammer\u201c ist ja nicht ganz von der Hand zu weisen. Und an die Transsubstantiationslehre und die Auferstehungsgeschichte kann ich (leider?) nicht mehr glauben, anders gesagt, darauf kann ich nicht mehr vertrauen.<\/p>\n<p>Worauf ich hinaus will: Um mich \u201eals Teil eines gro\u00dfen Ganzen\u201c zu f\u00fchlen, bedarf ich nicht jedes 7. Tages eines erstarrten Rituals samt einer h\u00e4ufigen Moralkeule in der Predigt. Wobei die Predigt oft noch der \u201ebeste\u201c teil des Gottesdienstes ist. Die Begegnung mit anderen Menschen, das Erleben von Gemeinschaft und das \u201eEmpfinden\u201c, dass andere Menschen mit mir mit einem g\u00f6ttlichen Prinzip verbunden sein k\u00f6nnen, m\u00f6chte ich nicht missen.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>2<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 ich bin nicht eher dazu gekommen, auf deinen Diskussionsbeitrag \u00fcber die virtuellen &#8222;Messen&#8220; zu reagieren. Denn ich m\u00f6chte dir sagen, dass du mir ganz aus der Seele sprichst und damit auch einen neuralgischen Punkt in unserer Eucharistiepraxis ansprichst. Je kleiner die Gottesdienstgemeinde wird, desto mehr scheint sich der alte Opfercharakter &#8222;der Messe&#8220; in den Vordergrund zu schieben und wird zunehmend zu einer Belastung unserer Priester &#8211; das erlebe ich Woche f\u00fcr Woche in unserer Pfarre. Mit den virtuellen Gottesdiensten sind wir beim alten &#8222;Beiwohnen&#8220; angelangt.<\/p>\n<p>Was deine Alternativen anlangt &#8211; Familien und Hausrunden &#8211; gibt es allerdings auch Probleme:<\/p>\n<p>Erstens k\u00f6nnen wir sie gerade im Lockdown nicht durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>Zweitens: Unsere Gottesdienstgemeinden werden immer kleiner, die Strukturen hingegen werden immer weiter ausgedehnt. Wenn wir den Sonntag in kleine Hauskirchen aufl\u00f6sen, bleibt von der &#8222;Gemeinde&#8220;, von der ich immer noch viel halte, nichts mehr \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Ich feiere seit zweieinhalb Jahren kursorisch einmal im Monat den Sonntagsgottesdienst in Form einer Wortgottesfeier. Es hat sich gut eingespielt und wird bis auf eine Handvoll Kommuniontouristen erstaunlich gut angenommen. Da st\u00f6\u00dft mir z.B. sauer auf, dass es f\u00fcr Eucharistiefeiern eine Fegefeuer-Intention gibt, f\u00fcr die Wortgottesfeier eine Ged\u00e4chtnis-Intention aber nicht erlaubt ist.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Deine Gedanken haben mich sehr bewegt. vielleicht k\u00f6nnen nach dem Lockdown damit weitermachen, damit wir nicht in die alte Normalit\u00e4t zur\u00fcckfallen. Aber ich f\u00fcrchte, wir haben inzwischen die Interessenten verloren.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>3<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 Danke f\u00fcr deinen Beitrag!<\/p>\n<p>Ich sehe es auf jeden Fall als Problem, wenn die Kirche die (realen) Gottesdienste<br \/>total aussetzt, was angeblich in den Nachbarl\u00e4ndern nicht der Fall ist.<br \/>Die 10 Quadratmeter-Regelung, die es einmal gegeben hat, und eventuell Anmeldung,<br \/>w\u00e4re doch (mit Maske und Abstand) Schutz genug. Und ein wenig Singen w\u00e4re da auch<br \/>kein Problem, in so gro\u00dfen Kirchen wie z.B. in xxx schon gar nicht. Da kommen eh nicht so viele Leute. Viele trauen sich jetzt sowieso nicht.<\/p>\n<p>Ich meine, dass es sich die Kirche zu leicht macht mit der derzeitigen \u201eRegelung\u201c,<br \/>und die meisten Priester tun jetzt so gut wie gar nichts.<br \/>Wo bleibt hier das \u201eHomeschooling\u201c???<\/p>\n<p>Unser Pater N. sagt, es gibt private Messen mit maximal 10 Personen \u2013 geradezu l\u00e4cherlich!<br \/>Aber warum wird man nicht einmal als Mitarbeiter (Kantor, Lektorin, Kirchenchormitglied, Sternsinger, Firmhelfer) hin und wieder zu einer solchen Messe eingeladen???<\/p>\n<p>Andererseits gew\u00f6hnt sich unsereiner (ich jedenfalls schon) auch an dieses Nichtstun.<br \/>Von Mitfeiern bei einer Messe im Radio oder Fernsehen kann da keine Rede sein:<br \/>Evangelium und Predigt ja, und der Rest \u201epl\u00e4tschert so dahin\u201c.<br \/>Und mit anderen Menschen oder gar Familien soll man sich ja schon gar nicht treffen.<\/p>\n<p>Ich glaube und f\u00fcrchte, dass die Kirchen nach \u00fcberstandener Pandemie noch leerer sein werden als vorher.<\/p>\n<p>Das ist also nicht nur Corona-Frust, sondern auch noch Kirchen-Frust.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>4<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich mich auch bei einer Hausmesse fragen, falls die Predigt so grottenschlecht w\u00e4re wie bei meinen u.a. Zweifeln an der Sinnhaftigkeit.<\/p>\n<p>Auch reine Freundeskreise sind nicht immer gleich befriedigend, zugegeben. Und das mit der Sonntagsruhe hat ja sogar biologistische Argumente f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>Aber insgesamt d\u00fcrften weder Karl noch ich sich von der gro\u00dfen Masse der Christen, Katholiken oder wie immer unterscheiden, die ja auch nicht in Scharen der (schon vor Corona) ge\u00fcbten Sonntagspraxis folgen. Man kann also schon dar\u00fcber nachdenken, was man \u00e4ndern k\u00f6nnte&#8230;<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>5<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 besten Dank f\u00fcr den Text &#8222;Flucht in die Virtualit\u00e4t&#8220;. Auch wir glauben, dass die diversen virtuellen Treffen, vor allem die Gottesdienste, zu einer bequemen Form des\u00a0Nicht mehr Zueinanderfindens\u00a0verkommen k\u00f6nnen. Sie haben v\u00f6llig Recht, eine Abendmahlfeier kann nur im Kreise von Feiernden mit Brot und Wein stattfinden. Ihre Anregung, im Kreise von Familie und oder Freunden zu feiern, haben wir in der von Prof. Johannes Parizek (soll genannt sein!) gegr\u00fcndeten und gef\u00fchrten Familienrunde Ende der 60er-Jahre sozusagen vorweggenommen. Meine Frau und ich waren in der katholischen Runde das \u00f6kumenische Salz in der Suppe und in einer Diskussionsrunde mit Bischof Weber hat der Bischof auf die Frage meiner Frau, ob sie als Evangelische an der Eucharistiefeier teilnehmen darf gesagt: SIE D\u00dcRFEN.<br \/>***<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>6<\/strong><\/p>\n<p>Warum gibt es den freien Sonntag?<\/p>\n<p>Es sollte den Christen die Gelegenheit bieten, den<\/p>\n<p>Sonntagsgottesdienst zu besuchen und der Ruhe zu pflegen, sich vom<\/p>\n<p>16-Stunden-Arbeitstag zu erholen, soweit sie nicht zur kleinen Clique des Geburts- oder Geldadels geh\u00f6rten.<\/p>\n<p>Wenn man die Eucharistiefeier von den (Kirchen-)Gemeinden in die<\/p>\n<p>Freundeszirkel verlegte, g\u00e4be es ein Argument weniger, den Sonntag als<\/p>\n<p>allgmeinen Ruhetag zu erhalten. Aber das ist nur ein Aspekt.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df auch nicht, ob Du Dich nicht auch bei einer &#8222;Hausmesse&#8220;<\/p>\n<p>fragen w\u00fcrdest, warum Du Dir das antust.<\/p>\n<p>***<br \/>\u2026 Wir (N. und ich) haben uns nicht angew\u00f6hnt, dieses TV-Substitut einer wirklichen Eucharistiefeier zu konsumieren.<\/p>\n<p>Da halte ich es mit J. W. : Eine Fernseh\u00fcbertragung eines interessanten Ereignisses ist wie das Bild eines Wienerschnitzels im Vergleich zu einem echten.<\/p>\n<p>Trotzdem habe ich Einw\u00e4nde gegen manche von Karl Mittlinger weitergeleiteten<\/p>\n<p>Textteile:<\/p>\n<p>&#8222;Erb\u00e4rmliche Sonntagspflicht obsolet machen&#8220; b\u00fcrstet bei mir vollkommen gegen den Strich.<\/p>\n<p>Warum?<\/p>\n<ol>\n<li>F\u00fcr mich ist der Sonntag wichtig, weil er bei arbeitenden Menschen (zu denen wir und auch Karl uns nicht mehr wirklich z\u00e4hlen k\u00f6nnen) ein wichtiger Ruhepol in einer stressreichen Woche ist (&#8222;Am 7. Tag sollst du ruhen&#8220; &#8211; auch bei den von Karl zitierten Juden).<\/li>\n<li>Die gemeinsame Freizeit in der Familie = Sonntag. Nicht irgendwann, wenn eine Freundesrunde zusammenkommt.<\/li>\n<li>Die christliche Gemeinde braucht die Zusammenkunft, je profaner das Umfeld ist, desto mehr. Die gegenseitige Best\u00e4rkung ist notwendig.<\/li>\n<li>Ich warne vor kleinen privaten Zirkeln mit dem Risiko der Entwicklung spiritistischer Rituale. Das Angenehme einer Auslandsreise ist f\u00fcr mich der Besuch eines Sonntagsgottesdienstes dort. Da wei\u00df ich, selbst wenn ich die Sprache nicht verstehe, was da geschieht.<\/li>\n<li>Und in der jetzigen Pandemie-Situation ist vor &#8222;Freundschaftsrunden&#8220;<\/li>\n<\/ol>\n<p>anscheinend zu warnen (Beispiel = britische &#8222;Schilehrer&#8220; in Jochberg).<\/p>\n<p>Mir geht der (echte) Sonntagsgottesdienst in der Kirche ab, die TV-\u00dcbertragung halte auch ich nicht f\u00fcr einen nur ann\u00e4hernd ausreichenden Ersatz. Doch in dieser au\u00dfergew\u00f6hnlichen Zeit m\u00f6chte ich trotzdem weder die Nerven noch meine Sonntagsbezogenheit \u00fcber Bord werfen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>&gt;&gt;&gt; meine Antwort (Karl M.)<\/p>\n<p>Lieber N., herzlichen Dank f\u00fcr deine Replik, das ist es, was diese Grenzgespr\u00e4che in der Pandemie sein k\u00f6nnten, Auseinandersetzung mit einem Thema.<\/p>\n<p>Ja, die erb\u00e4rmliche Sonntagspflicht, vielleicht sehr subjektiv formuliert aus meiner Lebensgeschichte, diese Pflichtverletzung war eine schwere S\u00fcnde, sprich, musste gebeichtet werden, war eine Ratenzahlung f\u00fcr den H\u00f6llenaufenthalt. Und so waren auch die Gesichter am Kirchplatz, stolz auf die Pflichterf\u00fcllung, gleich neben der ehelichen Pflicht&#8230;<\/p>\n<p>Deshalb stimme ich dir zu bei deiner Meinung zum Sonntag, Ruhepol&#8230; aber die St\u00e4rkung im gemeinsamen Glauben wird nicht mehr erlebt, weil die Messfeier nicht mehr als die Teilnahme am Abendmahl Jesu gesehen wird vor lauter Tabernakelfr\u00f6mmigkeit, siehe mein Text.<\/p>\n<p>Deine Warnung vor den kleinen privaten Zirkeln ist besonders wichtig, habe ich vielleicht zu wenig gesehen: das Abgleiten in obskure Geheimzirkel&#8230; kennen wir aus der Kirchengeschichte, die Schw\u00e4rmerbewegungen, die Schuster, die die Bibel auslegen und dann die Heugabeln in der Hand, gegen die Obrigkeit ausr\u00fccken &#8230; weniger Angst h\u00e4tte ich vor religions\u00fcbergreifenden Vermischungen von Lebensweisheit und Erkenntnis, vielleicht w\u00fcrde in diesem Zusammenhang eine versteinerte Dogmatik aufgesprengt und der Glutkern des Christentums, Bergpredigt, Vaterunser und Solidarit\u00e4t in den Mittelpunkt r\u00fccken &#8211; sofern es gelingt, wieder in die Spur zu kommen nach den Abwehrbewegungen gegen die moralische Krake, die das freie Denken eingeschr\u00e4nkt hat mit ihrer Schuldkultur. Je s\u00fcndenbehafteter die Menschen, desto leichter waren sie durch Drohungen gef\u00fcgig zu machen. Devise der kirchlichen Predigt. Das ist nicht mehr die kirchliche Devise, wirst du einwenden und die Jungen denken nicht mehr so. Ja, aber gerade die jungen Geistlichen tragen dieses Virus in sich, wie beim Fieberblasenvirus, das jederzeit ausbrechen kann.<\/p>\n<p>Ich will mich nicht in einen Wirbel hineinreden&#8230;<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>7<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 Von xxx habe ich ihren Text \u201eFlucht in die Virtualit\u00e4t\u201c bekommen \u2013 und ich finde ihn ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Meine Bitte an Sie: darf ich ihn in unserer n\u00e4chsten Zeitung (Fr\u00fchjahr 2021) abdrucken? Er passt so genau in unsere Diskussion und w\u00e4re eine wichtige Bereicherung.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen sich gerne davon \u00fcberzeugen, wie genau wir mit Ihnen \u00fcbereinstimmen: <a href=\"https:\/\/emea01.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fwww.wir-sind-kirche.at%2Fart-des-artikels%2Fzeitung&amp;data=04%7C01%7C%7C8fc7dffb6fc448f03af608d8b89a7930%7C84df9e7fe9f640afb435aaaaaaaaaaaa%7C1%7C0%7C637462320910123955%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C1000&amp;sdata=wKHRUS5z95pb5rGbJ1HDVs9h1mdy%2BoOWZxjPe5RfCjA%3D&amp;reserved=0\">https:\/\/www.wir-sind-kirche.at\/art-des-artikels\/zeitung<\/a> (speziell die Nummern 106, 107, 108).<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>8<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 ganz herzlichen Dank f\u00fcr deinen Text, der mich sehr beeindruckt hat und dem ich v\u00f6llig zustimmen kann. Schade, dass eben derzeit (Corona-bedingt) diese Form religi\u00f6sen\/kirchlichen Lebens im engeren Kreis der Familie oder der entsprechenden &#8222;Runden&#8220;<\/p>\n<p>beschr\u00e4nkt bleibt.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>9<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 Ich verstehe dein Anliegen und kann es gut nachvollziehen! Es w\u00e4re wirklich eine spirituelle Belebung, w\u00fcrden die Rituale in Familien- oder Freundeskreise einziehen k\u00f6nnen, und dies w\u00e4re auch sicherlich n\u00e4her an der urspr\u00fcnglichen Idee!<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>10<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 ich w\u00fcsste nicht, was ich diskutierend zu Deinem Text beitragen k\u00f6nnte, denn das ist so selbstverst\u00e4ndlich, dass ich Dich nur wiederholen k\u00f6nnte. Allenfalls bedauern, dass dies nicht allen so genau bewusst ist.<\/p>\n<p>Aber ich m\u00f6chte einen kleinen erg\u00e4nzenden Hinweis anbringen: Die fr\u00fchen Christen fanden als Sakralbau den heidnischen Tempel (bzw. vor seiner Zerst\u00f6rung den der Juden in Jerusalem) vor. Diese Tempel dienten im Allgemeinen (meine Pauschalierung bitte nachzusehen) einerseits als Wohnst\u00e4tte von G\u00f6tterstandbildern und zu deren Verehrung, aber im Besonderen als Ort, wo auf Alt\u00e4ren Brandopfer dargebracht wurden; bei den Juden nicht anders als bei den Heiden.\u00a0<\/p>\n<p>Als die Anzahl der Christen wuchs (also vor allem nach der Mail\u00e4nder Vereinbarung 313) entstand nat\u00fcrlich das Bed\u00fcrfnis nach gro\u00dfen Gemeindeversammlungsr\u00e4umen. Dazu waren die klassischen Tempel auf Grund ihrer Architektur nicht recht geeignet &#8211; m\u00f6glicherweise hatten die Christen auch Vorbehalte.<\/p>\n<p>Die Architektur der Antike stellte aber einen anderen Bautyp zu Verf\u00fcgung, der viele Menschen aufnehmen konnte: Dier r\u00f6mische Markthalle mit der erh\u00f6hten Apsis f\u00fcr den Praetor &#8211; also die Basilika. Diese wurde zum Prototypen der christlichen sakralen Baukunst &#8211; mit historischen Varianten eigentlich bis in die Gegenwart.<\/p>\n<p>Auf dieses Wesensmerkmal der christlichen Gemeinde, Gemeinschaft zu sein, ausgedr\u00fcckt durch ihre spezielle Baukunst, wollte ich erg\u00e4nzend hinweisen. Dass die fr\u00fchen Christengemeinden auch Armen-, Witwen-, Waisenversorgung ganz selbstverst\u00e4ndlich betrieben, mag zu ihrer Attraktivit\u00e4t in den ersten Jahrhunderten beigetragen haben; jedenfalls mehr als der sektenhafte Fanatismus, den es leider auch gab.<\/p>\n<p>Covid-19 macht leider vieles notwendig, was wir uns vor einem Jahr noch nicht vorstellten. Aber Du hast recht: Eine Messe vor dem Bildschirm ist keine Messe. Der PC mag vielleicht ersatzweise f\u00fcr eine gute Predigt dienen (gibt es leider nur selten).\u00a0<\/p>\n<p>Vielleicht noch ein kleiner Hinweis: Im lutheranischen Umfeld wurde zu den drei sog. geistlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe noch eine vierte, n\u00e4mlich die Geduld hinzugef\u00fcgt (wegen einer Stelle im R\u00f6merbrief).\u00a0<\/p>\n<p>Also: Wappnen wir uns auch als Katholiken tugendhaft mit Geduld!<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>\u2026 danke f\u00fcr deine umfassenden Gedanken! <br \/>***<\/p>\n<p><strong>11<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 Danke f\u00fcr Ihre kritischen und hoffnungsvollen &#8211; weil der Bibel nahe &#8211; Worte.\u00a0<\/p>\n<p>Ich habe mich \u2026 immer f\u00fcr eine offene Kirche und der Wahrnehmung der Frauen als den M\u00e4nnern gleichberechtigte Kinder Gottes eingesetzt.\u00a0<\/p>\n<p>Wie viele Frauen und M\u00e4nner in der Steiermark habe auch ich die Ausbildung zur Wortgottesdienst-Leiterin gemacht und in xxx viele, auch sonnt\u00e4gliche Feiern (kein st\u00e4ndiger Priester vor Ort), mit der Gemeinde begangen.\u00a0<\/p>\n<p>So wie in Notzeiten auch (real) getauft werden darf, so k\u00f6nnte diese besondere Zeit als solche erkannt werden &#8211; dann w\u00e4re diese Krise sogar eine Chance f\u00fcr unsere Kirche.\u00a0<\/p>\n<p>Haus-Liturgiefeiern sind die logische Weiterentwicklung bzw. \u201eR\u00fcckbesinnung\u201c!\u00a0<\/p>\n<p>Damit w\u00e4ren alle Diskussionen \u00fcber Pflichtz\u00f6libat und der Zulassung der Frauen zu allen \u00c4mtern \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Noch ein Gedanke dazu: theoretisch k\u00f6nnte ein online Gottesdienst angeboten werden &#8211; \u201eund keine\/r geht hin\u201c &#8211; nimmt daran teil!\u00a0<\/p>\n<p>W\u00e4re wohl gegen das 2. Vatikanum?<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>12<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 ich pflichte Dir bei diesem Ph\u00e4nomen v\u00f6llig bei: Es bringt das auf den Punkt (und f\u00fchrt es \u2013 wie Du sehr sch\u00f6n bemerkst &#8211; zugleich ad absurdum!), was seit Johannes Paul II das Priesterverst\u00e4ndnis ist. Die Herren Priester, die hier alle sich allein gen\u00fcgen, merken das gar nicht mehr, sie sind so von dieser Konzentration auf das hochstilisierte Priestertum konzentriert, dass sie meinen, damit die Notwendigkeit der Erf\u00fcllung der \u201eSonntagspflicht\u201c aufrecht erhalten zu\u00a0k\u00f6nnen\u2026<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>********<\/p>\n<p><strong>Und so hoffe ich auf weitere Diskussionsbeitr\u00e4ge, herzlich<\/strong><\/p>\n<p><strong>Karl Mittlinger<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Weitere Diskussionsbeitr\u00e4ge (nach der obigen Aussendung)<\/strong><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>13<\/strong><\/p>\n<p>\u2026Herzlichen Dank f\u00fcr die Zusendung dieser umfangreichen Zusammenfassung der erhaltenen Beitr\u00e4ge \u2013 ist eine neue Form der \u201eGrenzgespr\u00e4che\u201c und deren Diskussionen, allerdings aufw\u00e4ndig, aber daf\u00fcr auch nachhaltiger, da sozusagen durch dich gleich auch \u201eprotokolliert\u201c&#8230;Ja, bei mir wird dieses \u201eProtokoll\u201c vielleicht erst nach dem Lockdown breitere Verwendung finden, wenn es wieder m\u00f6glich ist, in einem gr\u00f6\u00dferen Kreis im pers\u00f6nlichen Umfeld dar\u00fcber weiter zu diskutieren. Wenn ich die Beitr\u00e4ge so lese, dann kommt mir ein bildhafter Vergleich in den Sinn: eines unserer 6 Enkelkinder hat heuer ganz entt\u00e4uscht festgestellt, dass sich die Sache mit dem Christkind und den Geschenken ganz anders verh\u00e4lt, als sie das erz\u00e4hlt bekommen hatte. Sie konnte mich n\u00e4mlich dabei beobachten, als ich mit Geschenken in der Hand vor der Bescherung das Wohnzimmer betrat &#8230;. Jetzt geht es darum, ihrer Fantasie eine neue Deutung dieser Person Jesus, n\u00e4mlich dessen Erwachsenwerden und -sein zu erkl\u00e4ren! Da ging mir nun der Vergleich durch den Kopf, dass ja auch wir \u201eErwachsene\u201c uns im Laufe des Lebens zumindest ein weiteres Mal &#8211; viele Menschen wie ich auch \u00f6fter \u2013 um das Mitwachsen unseres Jesus- und damit Gottesbildes k\u00fcmmern m\u00fcssen \u2013 mit oder ohne Pandemie (durch eine solche vielleicht sogar eher?) \u2013 wenn wir nicht die gleiche Entt\u00e4uschung erleben m\u00f6chten wie Kinder, denen das \u201eChristkind\u201c abhanden kommt!Ich jedenfalls vermisse die Unterst\u00fctzung der Kirche bei der F\u00f6rderung dieses Wachstums und habe den Eindruck, dass es vielen Priestern nicht ganz unrecht ist, wenn die \u201eSch\u00e4fchen\u201c nicht sehr anspruchsvoll sind, nicht zu viel erwarten oder sie dazu gar etwas fragen. Apropos Fragen: Eine Wortgottesdienstleiterin in den von dir gemailten Beitr\u00e4gen schreibt folgende Worte: \u201eDa st\u00f6\u00dft es mir sauer auf, dass es f\u00fcr Eucharistiefeiern eine Fegefeuer-Intention gibt, f\u00fcr die Wortgottesfeier eine Ged\u00e4chtnis-Intention aber nicht erlaubt ist\u201c. Ich habe zwar auch die Ausbildung zum Wortgottesdienst-Leiter, kenn aber diese Einschr\u00e4nkung nicht. Vielleicht ist eine Erkl\u00e4rung deinerseits dazu auch f\u00fcr andere Leute als mich interessant?<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>14<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u2026<\/strong>Du hast ein \u00dcberlebensthema der Kirche aufgemacht. Besonders die steirische Kirche &#8211; die kennt man, weil n\u00e4her, mehr &#8211; rudert \u00a0im abgestandenen Wasser der hierarchisch-strukturierten Altkirche, deren Ende mit der fulminanten Feststellung \u201edie Kirche als Volk Gottes&#8220; vor bald 60 Jahren eingel\u00e4utet wurde. In der kommenden Zeit h\u00f6rte man nicht genau hin, eben wurzelhaft und begn\u00fcgte sich mit oberfl\u00e4chlicher (?) Kosmetik. Man beharrte trotz zahlreicher \u00f6kumenischer und interreligi\u00f6ser Bem\u00fchungen auf die Konfessionskirche und entfernte sich von jenen, denen das Christentum Fundament und Lebensziel darstellt.<\/p>\n<p>Dies zeigte sich besonders in der virtuellen Welt:<\/p>\n<p>&#8211; die religi\u00f6sen Feiern waren Priesterzentriert. (Der Vergleich mit den vielen Seitenalt\u00e4ren vergangener Kirchenbauten tat sich auf) und in den Medien haupts\u00e4chlich von beamteten Katholiken, und kaum von Frauen erl\u00e4utert, in die Zeit gesprochen, Orientierung erm\u00f6glicht\u2026.\u00a0<\/p>\n<p>&#8211; \u201eJournalisten als Exegeten\u201c schrieb der neue Chefredakteur der \u201eChrist in der Gegenwart\u201c: &#8222;Da sage noch einer, die s\u00e4kulare Welt w\u00fcrde von den Christen nichts mehr erwarten! Die eindr\u00fccklichsten \u201ePredigten\u201c wurden w\u00e4hrend des Pandemie-Weihnachten nicht in den Kathedralen gehalten \u2013 sondern fanden in den gro\u00dfen Zeitungen statt. Lernt die Kirche daraus?&#8220;<\/p>\n<p>&#8211; es g\u00e4be noch viele Beobachtungen\u2026<\/p>\n<p>F\u00fcr das feierliche Zusammensein von Christen ist die zitierte Stelle Mt 18,20 wesentlich. Sie zwingt zur Entscheidung!<\/p>\n<p>Hans K\u00fcng gibt eine Entscheidungshilfe:\u00a0<\/p>\n<p>\u201eWer im Neuen Testament den dogmatisierten Christus sucht, lese Ratzinger, wer den Jesus der Geschichte und der urchristlichen Verk\u00fcndigung, lese K\u00fcng. Dieser Jesus ist es, der Menschen damals wie heute betroffen macht, zur Stellungnahme herausfordert und nicht einfach distanziert zur Kenntnis genommen werden kann. (Hans K\u00fcng, Jesus, 2012, S.13).<\/p>\n<p>Jesu Handeln g\u00e4be uns viele Impulse, um sich seiner Worte und Taten in Gemeinschaft zu erinnern.<\/p>\n<p>\u201eHauskirchen\u201c aber auch Gemeinde\/Gemeinschafts-Feiern in \u00fcberschaubarer Gr\u00f6\u00dfe k\u00f6nnten Wege dorthin sein.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>15<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 danke f\u00fcr die Zusendung der Diskussionsbeitr\u00e4ge.<br \/>Ich bin immer wieder erstaunt und gleichzeitig traurig wie wenig die christliche Lehre bei den \u201eGl\u00e4ubigen\u201c bekannt ist und wie\u00a0menschengemachte Dogmen auf einer Ebene wie die Lehren der Bibel behandelt werden.<br \/><strong>\u2022 Transsubstitutionslehre und Auferstehungsgeschichte<\/strong><br \/>Ersteres ist eine im Mittelalter entstandene Lehrmeinung, ohne jegliche biblische Basis. Die Auferstehung Jesu ist jedoch eine vielfach bezeugte Tatsache und f\u00fcr den christlichen Glauben umverhandelbar! 1Kor 15,17:\u00a0&#8222;Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube nichtig\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Klingt logisch, oder?<\/p>\n<ul>\n<li><strong> Pico della Mirandola<\/strong>war der Kabbala und der mystischen Philosophie zugetan.\u00a0Heute w\u00fcrden wir ihn als Esoteriker bezeichnen.<br \/>Er stellt den Menschen in den Mittelpunkt und nicht Gott\/Christus.\u00a0<\/li>\n<li><strong>Zur Kritik an den Priestern<\/strong>(\u201eDarsteller&#8220;, \u201ehochstilisiert\u201c)<\/li>\n<\/ul>\n<p>1Tim 2,5: &#8222;Denn einer ist Gott, und einer ist\u00a0Mittler\u00a0zwischen Gott und Menschen, der Mensch\u00a0Christus\u00a0Jesus&#8220;,\u00a0Hebr 4,14: \u00a0&#8222;Da wir nun\u00a0<strong>einen erhabenen Hohepriester<\/strong>\u00a0haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten&#8220;. Dazwischen gibt es, braucht es nichts. Wir Christen sind Br\u00fcder und Schwestern untereinander und auch von Christus! Es bedarf keiner besonderen Kaste, die zu Gott vermittelt.<\/p>\n<p>Und: wir Christen sind lt. Petr. 2,9 zur\u00a0<strong>&#8222;k\u00f6niglichen Priesterschaft\u201c<\/strong>\u00a0berufen. (und das schon seit Petrus&#8216; Zeiten und nicht erst seit Johannes Paul II)<\/p>\n<p>Unser F\u00fcrsprecher ist Jesus Christus! (von Maria steht in diesem Zusammenhang \u00fcbrigens kein Wort in der Schrift)<\/p>\n<p><strong>\u2026&#8220;Erb\u00e4rmliche Sonntagspflicht&#8220;<\/strong>\u00a0+ andere Pflichten<\/p>\n<p>Lk 11,46: &#8222;Er aber entgegnete: \u00bbWehe auch euch Gesetzeslehrern! Denn ihr b\u00fcrdet den Menschen schwer zu tragende Lasten auf, r\u00fchrt aber selber die Lasten mit keinem Finger an.&#8220;<\/p>\n<p>1Tim 4, 3: &#8222;Sie lehren, dass man nicht\u00a0heiraten\u00a0darf, und verbieten, bestimmte Speisen zu essen. Dabei hat doch Gott diese\u00a0Speisen geschaffen, damit sie von denen, die an ihn glauben und die Wahrheit erkannt haben, mit Dank verzehrt\u00a0werden.&#8220;<\/p>\n<p>1Tim Kapitel 3,1-5: \u2026&#8220;1 Das ist gewisslich wahr: Wenn jemand ein\u00a0<strong>Bischofsamt<\/strong>\u00a0erstrebt, begehrt er eine hohe Aufgabe. Ein\u00a0<strong>Bischof<\/strong>\u00a0aber soll untadelig sein,\u00a0<strong>Mann einer einzigen Frau,<\/strong>\u00a0n\u00fcchtern, besonnen, w\u00fcrdig, gastfrei, geschickt im Lehren, kein S\u00e4ufer, nicht gewaltt\u00e4tig, sondern g\u00fctig, nicht streits\u00fcchtig, nicht geldgierig, einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und gehorsame Kinder hat, in aller Ehrbarkeit. Denn wenn jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen wei\u00df, wie soll er f\u00fcr die Gemeinde Gottes sorgen?&#8220;<\/p>\n<p>Kol 2, 20-23: &#8222;Wenn ihr mit Christus gestorben seid, seid ihr den kosmischen M\u00e4chten weggestorben. Warum tut ihr dann so, als ob ihr noch unter ihrer Herrschaft lebtet? Ihr lasst euch vorschreiben: \u00bbDies sollst du nicht anfassen, das sollst du nicht kosten, jenes sollst du nicht ber\u00fchren!\u00ab Alle diese Dinge sind doch zum Gebrauch und Verzehr bestimmt!\u00a0<strong>Warum lasst ihr euch dann von Menschen dar\u00fcber Vorschriften machen?<\/strong>\u00a0Es sieht nur so aus, als ob diese\u00a0<strong>selbst gew\u00e4hlte Verehrung, die Demuts\u00fcbungen und die Kasteiung des K\u00f6rpers<\/strong>\u00a0Zeichen besonderer Weisheit seien. In Wirklichkeit bringt das alles uns\u00a0Gott nicht n\u00e4her, sondern dient nur der Befriedigung menschlicher Selbstsucht und Eitelkeit.&#8220;<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Jetzt muss ich mich aber wieder einbremsen, ich will ja kein Homeschooling betreiben.<\/p>\n<p>Aber es ist immer wieder erfrischend, wie logisch und vern\u00fcnftig die Aussagen der Bibel sind und dazu noch eine klare Orientierung in den zeitgeistigen Verirrungen bietet.<\/p>\n<p>Man muss die Schrift lediglich lesen und ernst nehmen.<\/p>\n<p>Die Hirten verletzen ihre Pflicht, wenn sie ihre Sch\u00e4flein nicht recht unterweisen, lehren und schulen.\u00a0<\/p>\n<p>Es darf daher nicht verwundern, dass die Gebete nur mehr ohne \u00dcberzeugung mitgemurmelt werden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Dabei ist das\u00a0<strong>Evangelium<\/strong>\u00a0das gro\u00dfartigste Konzept, das uns Menschlein jemals angeboten wurde.\u00a0<\/p>\n<p>Wir befinden uns noch immer im \u201eGnadenjahr\u201c (Lk 4,18-19).<\/p>\n<p>\u00a0\u201eHeute\u201c wird uns das Evangelium verk\u00fcndet.\u00a0<strong>(Hebr. 4,7)<\/strong><\/p>\n<p>Wer schlau ist, greift zu und n\u00fctzt die einmalige Chance auf ein Weiterleben nach dem Tod!\u00a0<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>16<\/strong><\/p>\n<p>Was ist so schlimm in der Virtualit\u00e4t?<br \/>F\u00fcr den sozialen &#8222;Bezug&#8220; haben wir ja die von mir gehassten aber von der Mehrheit angebeteten und geliebten (a-)sozialen Medien ;-). <br \/>Da wird berichtet, beschimpft, selbstdargestellt, sie\/er angebetet bis in die Intimit\u00e4t, alles echt oder gelogen &#8211; wer wei\u00df.<br \/>Warum nicht auch das ganze Getue um einen Gott mit zugeh\u00f6rigem -dienst. Innerhalb der theistischen Religion wird erfunden, tradiert, missbraucht, gedroht &#8211; durch selbsternannte Erlauchte im Auftrag eines selbst\u00a0 definierten Wesens namens Gott. Virtueller Glaube?<br \/>Ein wichtiger &#8222;Impuls&#8220; (im Sonntagsblatt 2019) aus dem Zukunfts(!)bild der Di\u00f6zese von Mag. Barbara Rutter-Wrann, Pastoralassistentin in der Katholischen Hochschulgemeinde Graz:<br \/><em>\u201eWir haben uns daran gew\u00f6hnt, dass unsere Kirchen und Kapellen die \u201eeigentlichen&#8220; Versammlungsorte der Feiern unseres Glaubens sind. Und da &#8218;bespielen&#8216; wir meist nur den Hauptraum. Vergessenheit geraten sind Vor- und Nebenr\u00e4ume unserer Kirchen. F\u00fcr manche Menschen reicht der Vorraum. Auch im \u00fcbertragenen Sinn finden nicht alle im Hauptraum einen \u201ePlatz&#8220;. Weil sie vielleicht nicht getauft, aus der Kirche ausgetreten, geschieden und wiederverheiratet sind oder sich aus anderen Gr\u00fcnden nicht zugeh\u00f6rig f\u00fchlen. F\u00fcr diese passt vielleicht ein Nebenraum, ein kurzes Ritual, eine niederschwellige Feier, ein Segenswort, ein Bibelwort&#8230; Herodes hat dem gro\u00dfen Tempel in Jerusalem einen sehr gro\u00dfen Vorplatz f\u00fcr die Heiden gebaut. Somit hatte jede und jeder die M\u00f6glichkeit, in die N\u00e4he des Heiligtums zu kommen. Vielleicht ist unser Kirchplatz ein Vorraum zur Kirche, der auch zu einem Teil der Verk\u00fcndigung wird, durch entsprechende Gestaltung, Bilder, Skulpturen, autofreie Zone, Platz f\u00fcr diverse Feiern. Es wird notwendig sein, ganz neue Orte f\u00fcr die Verk\u00fcndigung und die Feier des Glaubens zu entwickeln, Kirche zu den Lebensorten der Menschen zu bringen\u201c.<\/em><br \/>Eine Vorahnung f\u00fcr die jetzige Virtualit\u00e4t? Und im kleinen Kreis hinter tempor\u00e4r oder f\u00fcr immer geschlossenen Kirchent\u00fcren? Gleichsam als Covid-Party folgend einem Zitat aus einem Leserbrief im Sonntagsblatt. <em>&#8222;Besser weg mit dem Textil, welches das Gespr\u00e4ch mit Gott behindert und die ungewaschenen H\u00e4nde falten&#8220;<\/em>. Zuhause geht das ja im kleinen Kreis nicht richtig. Schlimm ohne geweihten Herrn Priester. Soweit ich mich erinnere, wurden solche Privatengagierte angezeigt und dann zur Selbstexkommunizierung gen\u00f6tigt (oder haben die noch anderweitig ges\u00fcndigt?).<br \/>Ich bin nun endg\u00fcltig weg vom (Kirchen-)Fenster. Ich habe mir meinen Austritt lange \u00fcberlegt, denn die Gr\u00fcnde waren durchaus vielf\u00e4ltig.<br \/>Ich deklariere mich wie schon so oft als Ausgesto\u00dfener des Jesusklubs. Ich bin geschieden und wiederverheiratet und meine Ehefrau eine ungetaufte genuine Buddhistin. Also was? &#8222;Niederschwellig feiern&#8220;? Am &#8222;Vorplatz f\u00fcr Heiden&#8220;? Da w\u00fcrde auch &#8218;virtuell&#8216; passen &#8211; wenn es mir nicht schon ohnehin v\u00f6llig egal w\u00e4re.<\/p>\n<p>***\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>II.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Karl Mittlinger<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Einige \u201eunfrisierte\u201c Gedanken zu den Diskussionsbeitr\u00e4gen<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Das hochstilisierte Priesterbild<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Unsere Kirche hat im Laufe der Kirchengeschichte die Kritik Jesu am j\u00fcdischen (und in den anderen antiken Religionen bestehenden) Priestertum missachtet und ist wider besseres Wissen zum Konzept des Opferpriesters zur\u00fcckgekehrt, wohl auch deshalb, weil sie sonst im R\u00f6mischen Reich nicht als \u201ereligio licita\u201c anerkannt worden w\u00e4re (und deshalb auch das Verbot der Fegefeuerintention bei Wortgottesdiensten, weil dabei ja kin \u201eOpfer\u201c gebracht wird, um diese Frage aus zwei Beitr\u00e4gen gleich zu beantworten). Das ist der Grund, wieso aus einem\/einer Gemeindeleiter\/in der \u201eHochw\u00fcrdige Herr\u201c geworden ist. Der \u201eAbschied von Hochw\u00fcrden\u201c ist wohl auch ein Grund (neben der Z\u00f6libatsverpflichtung, die sich ja auch aus dem Sakralpriestertum ergibt) f\u00fcr die schwindende Attraktivit\u00e4t dieses \u201eStandes\u201c, eine \u201eblo\u00dfe\u201c Dienstfunktion am Volk Gottes ist ja nicht an ein Geschlecht gebunden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Virtuelle Gottesdienstpraxis h\u00f6hlt den Sonntag aus.<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Zuschauen (sagen wir halt auch, Mitfeiern) am Fernseher ist eine \u201ebequeme Form des langsamen Auszuges aus dem Gemeindeleben, wie es in einem Beitrag hei\u00dft; der \u201eSonntagsruhe\u201c wird der Boden entzogen, es schwinden ja auch die sonnt\u00e4glichen Rituale dieses besonderen Tages. Die Begegnung mit den anderen Gl\u00e4ubigen und das gemeinsame Mahl sind die zentralen Ereignisse des Gottesdienstes. Sie fallen aus. Hoffentlich haben wir das nicht vergessen, wenn die Pandemie vorbei ist, der Lockdown kann auch eine Ein\u00fcbung in eine neue Verhaltensweise sein.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Bedenken bei F\u00f6rderung der Hauskirche<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>In einigen Beitr\u00e4gen wird bedacht, dass diese Form der Gottesdienste die Gefahr eines Kl\u00fcngelwesens gegeben sein k\u00f6nnte, wie ja auch in einigen Gemeinschaften die Gottesdienste bei geschlossenen Kirchent\u00fcren gefeiert wurden, erz\u00e4hlt man sich.<\/p>\n<p>Freundeskreise, Familienrunden seien da gef\u00e4hrdet. Wir haben eigene religi\u00f6se Praxis nie gelernt, sie wurde uns von den Priestern abgenommen und wir haben sie wohl auch gerne delegiert, so sind wir entm\u00fcndigt im eigentlichen Sinn, wir bringen den Mund nicht auf. Es w\u00e4re an der Zeit, sie selbst wieder in die Hand zu nehmen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Der Abschied von der Volkskirche<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>wird in diesen Tagen manifest wie nie zuvor. Die Pandemie nimmt uns auch noch das Brauchtum und die Rituale, die noch immer die Tatsache kaschierte, dass das \u201eKirchenvolk\u201c zu einer kleinen Herde geschrumpft ist. Innerlich hat sich die Emigration aus dem christlichen Kosmos l\u00e4ngst vollzogen, vielleicht war dieser Kosmos ohnehin nur in den Ritualen und Festen greifbar. Ohne moralisieren zu wollen, m\u00fcsste doch ein \u201echristlich gepr\u00e4gtes Land\u201c anders auf die gro\u00dfen Herausforderungen reagieren. Boatpeople, Moira, die Hand, die gierig und bedenkenlos die Impfdosen an sich rafft und der S\u00fcden schaut schon wieder durch die Finger, um nur Andeutungen zu machen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die herrschenden Gottesbilder<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>verhindern sehr oft die Entwicklung einer erwachsenen Pers\u00f6nlichkeit, die sich aus der infantilen Abh\u00e4ngigkeit von einem \u00dcberich losgesagt hat. Das hei\u00dft aber nicht, dass die Anerkennung eines gro\u00dfen Ganzen, die Einbettung in einen Urgrund ausgeschlossen wird und ein \u201eSinn des Daseins\u201c angenommen wir, der in vielf\u00e4ltiger Weise in den gro\u00dfen Erz\u00e4hlungen der Menschheit in mythologischer Sprache seinen Ausdruck in den Religionen findet. In Israel hat sich ein Eingottglaube entwickelt, der durch den Einfluss griechischer und \u00e4gyptischer Philosophietraditionen eine humanistische Schneise in die antiken Religionen schlug und die M\u00f6glichkeit einer pers\u00f6nlichen Gottesbegegnung er\u00f6ffnete. Diese Entwicklung l\u00e4sst sich in den Schriften der Bibel gut verfolgen, das Jesusereignis stellt dabei eine Fulguration insofern dar, als die Menschen in der Jesusbegegung Gotteserfahrungen machten und ihn in der Folge als Sohn Gottes definierten. Die Gottesbilder aber waren in den Denk- und Sprachkategorien der Antike verhaftet und sind f\u00fcr uns heute der Anlass, diese unreflektiert \u00fcbernommenen Bilder kritisch zu befragen.<\/p>\n<p>Als Beispiel sei die Angst vor der Bestrafung (ich meine den Teufels- &amp; H\u00f6llenglauben) genannt. Diese sind ein Abglanz der irdischen Machtstrukturen, die in den orientalischen Gro\u00dfreichen (man lese nach bei Martin Zimmermann \u201eGewalt \u2013 die dunkle Seite der Antike, DVA 2013) herrschten. Die Jenseitsvorstellungen sind eine Projektion des vorderasiatischen Gottk\u00f6nigtums auf einen Gottk\u00f6nig im Himmel, der die Feinde hemmungslos vernichtete. Die Jesuspredigt hob sich mit der Vorstellung von einem liebenden Vater radikal davon ab, durchgesetzt hat sie sich nur in Teilen, die \u201eBilder\u201c (Dantes \u201eDivina Comedia\u201c war pr\u00e4gend f\u00fcr unsere Vorstellungswelt) sprechen eine deutliche Sprache. Die Anerkennung der Kirche im R\u00f6mischen Reich hat das ihrige dazu beigetragen, dass die byzantinischen Sitten und Gebr\u00e4uche pr\u00e4gend wurden.<\/p>\n<p>Die ganze \u201eschwarze P\u00e4dagogik\u201c durch die Jahrhunderte herauf, der Bestemm auf die allein selig machende katholische Kirche, das Wahrheitsmonopol und die strikt geforderte blinde Annahme aller Dogmen, die im Laufe der Jahrhunderte das \u201eHaus voll Glorie\u201c zusammenhalten sollten, wurden aus diesen orientalischen Vorbildern gepr\u00e4gt, der \u201eGottesstaat\u201c, den wir heute in islamischen Landen mit Kopfsch\u00fctteln sich ausbreiten sehen, war lange Jahrhunderte hindurch das vorherrschende Paradigma unserer Kirche, machen wir uns nichts vor. Vielleicht ist das auch eine Wurzel f\u00fcr den innerlichen Widerstand gegen die \u201e\u00dcbertragungen\u201c von Gottesdiensten im Fernsehen, das textile Gepr\u00e4nge in der Kleidung, das hochhehre Sprachgefunkel, die Demutsgeb\u00e4rden, Schuldbezeugungen und Beweihr\u00e4ucherungen, sie alle sind sowas von byzantinisch, der eigentliche Inhalt, die Jesusbegegnung im Verzehr von Brot und Wein tritt in den Hintergrund und f\u00e4llt in Zeiten der Pandemie ganz aus.<\/p>\n<p>Die \u201eGottesverehrung\u201c steht im Mittelpunkt und bleibt im t\u00e4glichen Leben ohne Folgen. <em>\u201eDieses Volk ehrt mich mit den Lippen \/ sein Herz ist aber weit weg von mir.\u201c <\/em>(Mt 15,8)<\/p>\n<p>Dieses gr\u00f6\u00dfere Ganze, der tragende Urgrund, die universelle Verbundenheit, die Weisheit \u00f6stlicher und westlicher Mystiker, das Bewusstsein, dass wir nur wie in einem Spiegel sehen, all das bricht in letzter Zeit ins Denken und F\u00fchlen der Menschen ein, jenseits aller Religionsgrenzen bricht etwas Neues auf \u2013 seit dem Mann aus Nazaret sollte uns bewusst sein, dass immer wieder ein Paradigmenwechsel stattfinden kann.<\/p>\n<p>Reformation, Aufkl\u00e4rung, Erkl\u00e4rung der Menschenrechte, Umweltbewegung und die vielen humanistischen Str\u00f6mungen haben, getragen vor allem durch christliche Laien, aus jesuanischem Geist heraus Ans\u00e4tze zur Ver\u00e4nderung dieser Welt geschaffen. Wollen wir hoffen, dass der Auszug aus den starren kirchlichen Strukturen (z.B. Haltung zum Frauenpriestertum) darauf zur\u00fcck zu f\u00fchren ist und nicht aus Bequemlichkeit passiert.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Auf der Suche<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit der Frage der Gottesbilder ist kaum etwas \u00fcber den tragenden Urgrund, der in der j\u00fcdisch-christlichen-islamischen Nomenklatur mit Gott (oder G\u00f6ttin) umschrieben ist, gesagt. Es ist schwer, hinter die Gottesbilder zu schauen. Nach dem sch\u00f6nen Gedanken von den Glasfenstern von einer gotischen Kathedrale, durch die alle Religionen in Richtung der Sonne schauen, die aber niemand direkt sehen kann. Wir haben nur diese Bilder, die von Prophetinnen und Sehern, durch Tr\u00e4ume und \u201eOffenbarungen\u201c in den Heiligen Schriften \u00fcberliefert sind. Menschenworte.<\/p>\n<p>Und diese Religionen haben daraus ihre Glaubenssysteme entwickelt, beschrieben in den Gottesbildern, ein Zirkelschluss.<\/p>\n<p>Aber wir kommen dadurch dem Kern der Sache n\u00e4her, wir m\u00fcssen uns auch heute auf die Suche machen, wie es die Menschen aller Zeiten gemacht haben und zu den unterschiedlichsten Ergebnissen gekommen sind. Ein sehr tragf\u00e4higer Ansatz das Bild von Gott als einer Person, zu der man in mystischer Form in Beziehung treten kann und der auf dieser Ebene antwortend erlebt wird.<\/p>\n<p>Und hier enden diese \u00dcberlegungen, die Richtung zum Weiterdenken ist vorgezeichnet, aber hier ist nicht der Platz daf\u00fcr. Und der Begriff der Virtualit\u00e4t hat wohl auch hier seine enorme Bedeutung.<\/p>\n<p>(3. Februar 2021)<\/p>\n<p>***<\/p>\n<h3><strong><span style=\"color: #800000;\">&#8222;Jesus und die Ehebrecherin&#8220;<\/span><\/strong><\/h3>\n<p><strong><span style=\"color: #800000;\">Auslegung des Evangeliums vom 5. Fastensonntag 2019 im Rahmen einer Wortgottesfeier in Unterrohr bei Hartberg, Stmk.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #800000;\">Joh 8, 1-11<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Auslegung der Bibelstelle<\/p>\n<p>Wir haben es schon so oft geh\u00f6rt: Jesus sagt zu den Pharis\u00e4ern \u201eWer von euch ohne S\u00fcnde ist, werfe den ersten Stein auf sie\u201c, auf die Ehebrecherin, die frisch beim Ehebruch ertappt wurde. Ertappt ohne den Mann? Den hat man laufen lassen. Vermutlich ist die \u201eS\u00fcnderin\u201c nicht verheiratet, sie haben aneinander Gefallen gefunden und eins gab das andere und sie landeten im Bett. Das ist f\u00fcr den Mann ja kein Problem gewesen, M\u00e4nner konnten sich auch in der Ehe einen Seitensprung oder eine zweite Frau leisten, die Sklavin oder die Magd waren ohnehin so etwas wie Freiwild, weil sie als pers\u00f6nlicher Besitz angesehen wurden, mit dem man tun konnte, was man wollte. Das Problem ergab sich f\u00fcr die Frau; wenn sie mit einem verheirateten Mann ins Bett ging, war f\u00fcr sie die Steinigung vorgesehen (wir kennen das nicht nur aus der Vergangenheit des Alten Testamentes, diese Praxis gilt in den fundamentalistischen islamischen Gottesstaaten noch\u00a0 heute, der Islam hat ja diese Gesetze praktisch w\u00f6rtlich \u00fcbernommen und nur der aufgekl\u00e4rte europ\u00e4ische Islam (noch oft ist das nur ein Wunschdenken) hat sie, wie das aufgekl\u00e4rte Judentum oder das aufgekl\u00e4rte Christentum als weltliches Gesetz aufgehoben und in die Vergessenheit entlassen). F\u00fcr den Mann war der Ehebruch seiner Frau vor allem deshalb ein Problem, weil ein dadurch entstehendes Kind, ein sogenanntes Kuckuckskind, von seinem Besitz erben konnte und er als einer dastand, dem man H\u00f6rner aufgesetzt hat, Treulosigkeit war weniger ein Motiv, weil M\u00e4nner es ja mit der Treue auch nicht genau nahmen, es war die Besitzst\u00f6rung, die der Frau angelastet\u00a0 wurde, nicht anders, als h\u00e4tte ihm der Nachbar ein paar Schafe oder Rinder gestohlen.<\/p>\n<p>Was macht Jesus? Zuerst gar nichts. Er l\u00e4sst Raum f\u00fcrs Nachdenken, er kritzelt im Sand und sagt dann den schon erw\u00e4hnten Satz: Wer ohne S\u00fcnde ist, der werfe als erster einen Stein auf sie. Und kritzelt weiter im Sand. Den M\u00e4nnern wird langsam bewusst, was das f\u00fcr ein heuchlerischer Standpunkt ist, der nur die patriarchale Position best\u00e4rkt, nach der M\u00e4nner alle Rechte haben und Frauen total rechtlos sind.<\/p>\n<p>Die Wut, es der Frau zu zeigen, wer der Herr im Haus ist, weicht der Scham und der Stein in der Hand wird ihnen gl\u00fchend hei\u00df, sie lassen ihn fallen und gehen betreten weg.<\/p>\n<p>Und Jesus richtet sich auf und sagt zu ihr, sie haben dich nicht verurteilt, ich tue es auch nicht. Tu das nicht wieder, auf dieser Basis l\u00e4sst sich keine liebevolle Beziehung aufbauen.<\/p>\n<p>Jesus zeigt ohne gro\u00dfe Worte auf, dass durch die Ehe kein Besitzrecht auf die Frau entsteht, ohne die Schriftgelehrten und die Pharis\u00e4er direkt auf ihren heuchlerischen Standpunkt hinzuweisen, nach dem die M\u00e4nnerherrschaft von Gott komme, sagt ihnen Jesus, was Gott wirklich ist, er ein gerechter und barmherziger Gott.<\/p>\n<p>Die anderen zu verurteilen ist leicht, vor allem die Frauen. Sie sind in dieser Gesellschaft die Schwachen.<\/p>\n<p>Vielleicht nehmen wir uns an diesem Sonntag einmal ein wenig Zeit, dar\u00fcber nachzudenken, wie schnell wir im Urteilen \u00fcber die anderen sind, wie oft wir in der Versuchung sind, Steine aufzuheben und sie auf jene zu werfen, die in unseren Augen S\u00fcnder sind, oder Menschen, die selbst an ihrem Ungl\u00fcck schuld sind oder Menschen, die uns fremd sind, die wir nicht verstehen, die anders sind und uns Angst machen, so wie diese Frau die M\u00e4nnerwelt verunsichert hat in ihrem selbstgef\u00e4lligen Beharren auf ihren Besitz und auf ihre \u201eRechte\u201c.<\/p>\n<p>\u00a9 Karl Mittlinger 2019<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4><span style=\"color: #800000;\"><strong>Meine Gedanken am Schluss der Reihe \u201eGewalt in der Antike\u201c 2015\/16 im Bildungshaus Mariatrost<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><span style=\"color: #800000;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Steven Pinker, Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit<\/span> <\/strong><\/span>(Fischer TB 19229) S. 42:<\/p>\n<p><em>\u201eNein, die Hinrichtung Jesu ist die Frohe Botschaft, ein notwendiger Schritt in einem h\u00f6chst wundersamen historischen Ablauf. Indem Gott die Kreuzigung stattfinden lie\u00df, tat er der Welt einen unermesslichen Gefallen. Obwohl er unendlich m\u00e4chtig, mitf\u00fchlend und weise ist, konnte er sich keinen anderen Weg ausdenken, um die Menschheit vor der Bestrafung f\u00fcr ihre S\u00fcnden (und insbesondere f\u00fcr die S\u00fcnde, von einem Paar abzustammen, das ihm ungehorsam war) zu erl\u00f6sen\u2026Wenn die Menschen anerkennen, dass dieser sadistische Mord ein g\u00f6ttliches Gnadengeschenk war, k\u00f6nnen sie das ewige Leben erwerben. Und wenn sie die Logik in alledem nicht erkennen, wird ihr Fleisch f\u00fcr alle Ewigkeit in einem qu\u00e4lenden Feuer brennen\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Hier schreibt einer, der von au\u00dfen auf die christliche Lehre schaut und die m\u00f6glichen theologiehistorischen Entwicklungen bewusst nicht n\u00e4her anschaut, sondern es so liest, wie es tats\u00e4chlich gelesen werden kann. Wir Christen f\u00fchlen uns durch solch eine Lesart m\u00f6glicherweise falsch verstanden oder missinterpretiert<\/p>\n<p>Ich habe das bewusst so w\u00f6rtlich zitiert, weil wir f\u00fcr diese schrecklichen Aussagen so selbstverst\u00e4ndlich hinnehmen, es ist uns gar nicht mehr bewusst, welch grauenhafte Botschaften sie transportieren. Es n\u00fctzt m.E. wenig so zu argumentieren, wie man es in der Theologie immer wieder h\u00f6rt, dass sich eben unsere gewaltverhaftete Welt darin widerspiegle und dass mit der Auferstehung ein Weg daraus gezeigt werden solle, dass Gott seinen Sohn eben nicht verlassen habe, sondern ihn vom Tode auferweckt habe. Das Einverst\u00e4ndnis Gottes, um in dieser anthropomorphen Sprache zu bleiben, wird wenigstens stillschweigend vorausgesetzt, auch wenn das Motiv des Beleidigtsein Gottes wegen unserer S\u00fcnden weggelassen werden kann, das stammt vom mittelalterlichen Theologen Anselm von Canterbury und wird heute eher nicht mehr gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Das in der Erl\u00f6sungslehre vorgestellte Gottesbild widerspricht aber so diametral der Botschaft vom barmherzigen Vater, der ohne Gekr\u00e4nktheit oder erf\u00fcllt von Wiedergutmachungsforderungen auf seinen Sohn = auf die Menschen zugeht, der, um es in einer abgehobenen Sprache auszudr\u00fccken, die S\u00fcnden seines Sohnes l\u00e4ngst weggeliebt hat und den Sohn dadurch bef\u00e4higt hat, umzukehren. Genau deshalb ist der Geist Gottes in diesen Jesus von Nazaret am Jordan herabgekommen, genau deshalb ist er diese Botschaft geworden.<\/p>\n<p>Und das ist, das w\u00e4re das Gegenbild gegen die Gewaltverhaftetheit der Antike (und unserer Gegenwart nat\u00fcrlich auch) gewesen, der liebende Gott, der wohl weit besser durch das wohl noch \u00e4ltere Bild der Mutter mit dem Kind dargestellt werden k\u00f6nnte. Nicht umsonst heimelt es uns so an, dieses Bild der Isis mit dem Horusknaben auf dem Arm, das Urbild unserer Madonnendarstellungen.<\/p>\n<p>In diesem Gottesbild h\u00e4tte der Mensch Platz zu einer Umkehr, zur Ver\u00e4nderung, zu der er ohne durch H\u00f6llendrohung und Folter von sich aus aufbrechen k\u00f6nnte. Und wir k\u00f6nnten Gott daf\u00fcr preisen, dass er uns diese F\u00e4higkeit zur <u>frei-willigen<\/u> Umkehr, allein aus dem Gewissen heraus, in den Bereich unserer M\u00f6glichkeiten gelegt hat. Ein solches Gottesbild w\u00e4re aufregend neu und h\u00e4tte etwas, das ein neues Licht auf uns Menschen werfen w\u00fcrde: es zu ersinnen, aus dem Fundus der jesuanischen Gedanken herauszusch\u00e4len. Paulus, Augustinus und Anselm von Canterbury haben die Erl\u00f6sung mit Kreuz und Folter verbunden, nach dieser Lehre hat Gott seinen Sohn nicht geschont und erst durch die Auferstehung im Nachhinein wieder alles in Ordnung gebracht. Das ist ein schl\u00fcssiges Bild angesichts des Gewaltdenkens, in dem Folter und Tod ein notwendiges Druckmittel sind, um die Moral der Menschen aufrecht zu erhalten, wie es die Despoten der Antike vorexerziert haben, es kann aber f\u00fcr uns kein Heilmittel mehr sein, weil es Gott noch immer in der Rolle des antiken Potentanten bel\u00e4sst, dessen Wohl und dessen Ehre im Mittelpunkt steht. Der Vater, den Jesus zumindest in einigen Gleichnissen vor Augen hat, braucht das nicht, der steht sehns\u00fcchtig am H\u00fcgel seines Anwesens und schaut in die Ferne, ob sein Sohn nicht bald zur\u00fcckkommt. Und der kommt, aus eigenem Antrieb, weil er sich geliebt wei\u00df. Trotz allem.<\/p>\n<p>Wie weit wir davon weg sind, zeigen uns unsere gewaltverhafteten Bilder, die uns all\u00fcberall begleiten, die Kreuze und die Folterszenen der Kreuzwege, die sieben Schwerter, die die Madonna durchbohren, die Heiligendarstellungen mit allen gr\u00e4sslichen Details, Kirchen gleichen mittelalterlichen Schreckenskammern. Und wir sehen das nicht mehr, weil es uns in <u>Fleisch und Blut<\/u> \u00fcbergegangen ist, ja selbst im Innersten, im Intimsten unserer Gottesbegegnung, in der Communio mit Gott kommen wir nicht ohne diese Metaphern vom hingeopferten Gottessohn aus. Gnade uns Gott, um in dieser Sprachwelt zu bleiben.<\/p>\n<p>(16 .2. 2016)<\/p>\n<p><span style=\"color: #800000;\"><strong>Mit dem Programm Google-Earth und einer Zeitmaschine zoomt einer, der nicht m\u00fcde wird, auch die andere Seite einer M\u00fcnze zu betrachten, auf Pal\u00e4stina in den 30er-Jahren n. Chr.<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Ein Mann wandert von Nazaret an den See Genesaret, er trifft in Magdala\/Tariche\u00e4 am Ausgang des Taubentales, Mirjam, die kluge Frau. Sie begleitet ihn nach Kapernaum<\/p>\n<p>Und nach und nach, einzeln und in kleinen Gruppen schlie\u00dfen sich ihnen Fischer und Z\u00f6llner, Arbeitslose, beg\u00fcterte Frauen, Sklavinnen und Prostituierte an<\/p>\n<p>Wie aus dem Nichts ist er erschienen, herausgetreten aus dem Schatten des glut\u00e4ugigen Untergangspropheten Jochanan<\/p>\n<p>Es ist besser, sagt er, den Kopf hinzuhalten als Schl\u00e4ge auszuteilen<\/p>\n<p>Es ist besser, arm zu sein als an seiner Gier zu ersticken<\/p>\n<p>Es ist besser, barmherzig zu sein als den Nachbarn in den Schuldturm zu stecken<\/p>\n<p>Der Mann bleibt stehen, um mit einem Bettler zu reden<\/p>\n<p>er gr\u00fc\u00dft Blinde schon von weitem, damit sie wissen, mit wem sie es zu tun haben,<\/p>\n<p>f\u00fcr die Auss\u00e4tzigen hat er ein Brot in der Tasche<\/p>\n<p>Der Mann ist ein Wanderprediger<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdiges gibt er von sich<\/p>\n<p>er redet vom Ausrei\u00dfen des Auges, bevor es zum \u00c4rgernis verleitet<\/p>\n<p>man solle die Toten ihre Toten begraben lassen<\/p>\n<p>dem Kaiser geben was des Kaisers ist<\/p>\n<p>er redet vom Ernstnehmen des Gesetzes<\/p>\n<p>und vom \u00dcbertreten, wenn es den Menschen knechtet<\/p>\n<p>von Feindesliebe und vom Hinhalten der Wange<\/p>\n<p>den Tempelpriestern traut er nicht, sie schauen nur auf ihr eigenes Gerstl, sagt er,<\/p>\n<p>die blutigen Opfer seien dem Gott ein Gr\u00e4uel<\/p>\n<p>der Gott wolle Barmherzigkeit und nicht Opfer<\/p>\n<p>Du schaffst es, sagt er zu einem, der nicht mehr aus und ein wei\u00df<\/p>\n<p>schau auf, lass den Kopf nicht h\u00e4ngen zu einer, die blind in ihr Verderben rennt<\/p>\n<p>steh auf du Faulpelz, sei nicht so wehleidig \u2013 oder so \u00e4hnlich halt<\/p>\n<p>Die Leute rennen ihm nach<\/p>\n<p>treten ihm die T\u00fcren ein<\/p>\n<p>wie der einen anschaut<\/p>\n<p>unerh\u00f6rt, wie der redet,<\/p>\n<p>endlich einer, der es den Gro\u00dfkopferten hineinsagt,<\/p>\n<p>einer, der uns versteht<\/p>\n<p>einer, der uns ernst nimmt<\/p>\n<p>ein Heros geht durch das Land meinen Griechen<\/p>\n<p>ein Prophet, Elias ist wiedergekommen<\/p>\n<p>das ist endlich der Messias, der die R\u00f6mer verjagen wird<\/p>\n<p>so reden Juden<\/p>\n<p>Hosanna dem Sohne Davids jubeln sie<\/p>\n<p>dann aber geht es ihm an den Kragen<\/p>\n<p>die Priester hetzen die R\u00f6mer auf<\/p>\n<p>und diese machen kurzen Prozess<\/p>\n<p>ans Kreuz mit ihm<\/p>\n<p>foltern h\u00e4mmern stechen ihm die Seele aus dem Leib<\/p>\n<p>und in die Grube werfen ihn die Henkersknechte<\/p>\n<p>von Fieberschauern gesch\u00fcttelt<\/p>\n<p>verlassen die letzten Getreuen den Galgenberg<\/p>\n<p>Erscheinungen Halluzinationen Tr\u00e4ume<\/p>\n<p>jeder erlebt was anderes<\/p>\n<p>vierzig Tage dauert das Au\u00dfersichsein<\/p>\n<p>es darf einfach nicht das Ende gewesen sein<\/p>\n<p>eine spricht es aus: er lebt<\/p>\n<p>ich hab ihn gesehen: er lebt<\/p>\n<p>von Mund zu Mund<\/p>\n<p>die Ger\u00fcchtewelle schwappt \u00fcber<\/p>\n<p>und dann h\u00f6ren die Visionen auf<\/p>\n<p>aber der Infektionsherd sitzt tief drinnen<\/p>\n<p>gl\u00fchende Schauer Herzrasen<\/p>\n<p>jedes Wort wird lebendig<\/p>\n<p>wei\u00dft du noch<\/p>\n<p>erinnerst du dich<\/p>\n<p>die Blinden<\/p>\n<p>die Tochter des Jairus<\/p>\n<p>der Sklave des Hauptmanns<\/p>\n<p>Zach\u00e4us<\/p>\n<p>wie ein Vater ist der Gott<\/p>\n<p>erinnerst du dich<\/p>\n<p>er hat ihn als seinen Papa bezeichnet<\/p>\n<p>die Liebe \u00fcberwindet das B\u00f6se<\/p>\n<p>Gott ist die Liebe<\/p>\n<p>darauf einigen sie sich<\/p>\n<p>als Kurzformel f\u00fcr ihre Predigten<\/p>\n<p>\u00fcberall im Land sind sie unterwegs<\/p>\n<p>es werden immer mehr<\/p>\n<p>die ganze Welt \u00fcberfluten sie<\/p>\n<p>ein Strahlen ging von ihm aus<\/p>\n<p>ein Leuchten<\/p>\n<p>die Frauen<\/p>\n<p>die Sklaven<\/p>\n<p>die kleinen Leute tragen<\/p>\n<p>diese unerh\u00f6rten Gedanken\u00a0weiter<\/p>\n<p>und es h\u00f6rte nicht auf<\/p>\n<p>der Mann wurde nicht vergessen<\/p>\n<p>im Gegenteil<\/p>\n<p>man hat ihn in den Himmel erhoben<\/p>\n<p>an die Seite des Gottes gesetzt<\/p>\n<p>weil sie sp\u00fcrten<\/p>\n<p>worauf es ankommt<\/p>\n<p>an ihm ist den Leuten der Knopf aufgegangen<\/p>\n<p>urpl\u00f6tzlich wussten sie<\/p>\n<p>es ist das Herz<\/p>\n<p>und nicht der Verstand<\/p>\n<p>mit dem Herzen muss man schauen<\/p>\n<p><strong>vom Zoom geht er in die Totale des Jetzt<\/strong><\/p>\n<p>aus der Traum<\/p>\n<p>schau dir die Welt an<\/p>\n<p>was haben sie aus den Anliegen des Wanderpredigers gemacht<\/p>\n<p>wo du hinschaust<\/p>\n<p>die Kirchengeschichte ein Albtraum<\/p>\n<p>die Welt versinkt im Chaos<\/p>\n<p>\u00fcberall<\/p>\n<p>Korruption Betrug Mobbing<\/p>\n<p><strong>oder muss der Blick doch noch einmal gewendet<\/strong><\/p>\n<p><strong>und m\u00fcssen die einzelnen ins Visier genommen werden?<\/strong><\/p>\n<p>hat sich nicht ein Lichterteppich \u00fcber die Welt gebreitet<\/p>\n<p>schau in die Palliativstationen<\/p>\n<p>schau an die pflegenden Angeh\u00f6rigen<\/p>\n<p>die freiwilligen HelferInnen \u00fcberall an den Grenzen<\/p>\n<p>die Kritischen, die auf gerechte Sprache achten<\/p>\n<p>die UmweltaktivistInnen die sich um Nachhaltigkeit bem\u00fchen<\/p>\n<p>die Konsumverweigernden wegen des Tierleids<\/p>\n<p>schau sie an<\/p>\n<p>alle die schwarze P\u00e4dagogik ablehnen<\/p>\n<p>alle die Rassismus und Fremdenfeindlichkeit anprangern<\/p>\n<p>alle die z. B. Esel, Ziegen und Schweine kaufen f\u00fcr die Menschen in Afrika<\/p>\n<p>die Kranke besuchen und Trauernde tr\u00f6sten<\/p>\n<p>die mitleiden und solidarisch sind<\/p>\n<p>schau hin<\/p>\n<p>die Welt ist nachweislich besser geworden<\/p>\n<p>sag an<\/p>\n<p>was meinst du?<\/p>\n<p>steckt da nicht auch der Mann aus Nazaret dahinter?<\/p>\n<p>Und dazu muss man nicht an Gott glauben<\/p>\n<p>Ja, dazu muss man gar nicht an Gott glauben<\/p>\n<p><strong>Nachdenklich schlie\u00dft er Google Earth.<\/strong><\/p>\n<p>Der Lichterteppich geht ihm nicht aus dem Sinn.<\/p>\n<p>(15. 12. 2015; Erika Horn gewidmet (1918 \u2013 2015)<\/p>\n<h2>\u00a0<\/h2>\n<h2><strong><span style=\"color: #800000;\">Mein Glaube ist Vertrauen.<\/span><\/strong><\/h2>\n<p>Ich kann nicht glauben, dass Gott seinen Sohn wegen unserer S\u00fcnden am <span style=\"color: #800000;\">Kreuz<\/span> hat sterben lassen, ihn f\u00fcr uns hingeopfert hat. So ein Gottesbild fu\u00dft auf einer feudalen Gesellschaftsordnung: da der Gottk\u00f6nig, dort alle anderen, die ihm zu F\u00fc\u00dfen liegen \u2013 wehe, einer von den Untertanen wagt es, den \u201eAllm\u00e4chtigen\u201c zu beleidigen, er kann nur durch seinesgleichen vers\u00f6hnt werden, z.B. durch seinen Sohn, wie dies der Kirchenlehrer Anselm von Canterbury so folgenreich entwickelt hat<br \/>So, jetzt ist es herau\u00dfen, mein &#8211; und nicht nur mein &#8211; Unbehagen \u00fcber ein weithin verbreitetes Gottesbild muss erst zur Sprache kommen, bevor ich von meinem Glauben reden kann.<br \/>Erg\u00e4nzen will ich, dass ich alle Artikel des Glaubensbekenntnisses mitbeten kann, weil ich diese S\u00e4tze als Teile eines mythischen Weltbildes sehe, das ich gut akzeptieren kann, weil ich ja kein geschichtsloser Mensch bin. Es sind Aussagen, die mir von weit her an die Ohren dringen, mit meinem Leben etwas zu tun haben, weil ich in dieser religi\u00f6sen Welt gro\u00df geworden bin. (Unter Mythos verstehe ich alle Aussagen, die Gott in menschlichen Bildern und Begriffen schildern, z.B. dass er einen Sohn hat, dass er wie ein Mensch denkt, dass er beleidigt sein kann oder ein uners\u00e4ttliches Bed\u00fcrfnis nach Gelobtwerden hat. Ein Mythos versucht zu erkl\u00e4ren, was sich zwischen Himmel und Erde ereignet.)<br \/>Mein Anliegen ist es, Gott vor den Bildern zu \u201eretten\u201c, die es heutigen Menschen oft verunm\u00f6glichen, an Gott zu glauben. Denn was Gott wirklich ist und bedeutet, ist uns unm\u00f6glich zu sagen, mit jeder Aussage \u00fcber ihn sperren wir Gott in unseren Denkk\u00e4fig ein und machen aus Gott einen uns zur Verf\u00fcgung stehenden G\u00f6tzen.<br \/>Nach diesen \u2013 nur angedeuteten &#8211; Feststellungen muss ich endlich meinen Glauben auf den Punkt bringen: Der Mann aus Nazaret, der von Gott ergriffene Wanderprediger hat f\u00fcr mich in seinem Gleichnis vom barmherzigen Vater (herk\u00f6mmlich das Gleichnis vom verlorenen Sohn, Lk 15, 11-32) die Welt ver\u00e4ndernde Botschaft verk\u00fcndet: Gott ist<strong>\u00a0<\/strong><em>wie<\/em><strong>\u00a0<\/strong>ein Vater, der sehns\u00fcchtig auf seinen Sohn wartet, der in die Welt hinaus gezogen ist, sich dort zu verwirklichen suchte, gescheitert ist und nun heimkehrt, das Erbteil ist den Bach hinunter, nach menschlichem Ermessen wird es Hiebe setzen, er macht sich auf Dem\u00fctigung und ein langwieriges Entschuldungsverfahren gefasst. Nichts davon. Es gibt ein Freudenfest, ein himmlisches Gastmahl.<br \/>An den Gott, der in diesem Bild ausgedr\u00fcckt ist, glaube ich mit Herz, Mund und H\u00e4nden, an den Gott, der Liebe ist. Dass diese Liebe die Welt zum Guten ver\u00e4ndern kann, das ist Jesu Botschaft. Wenn wir uns darauf einlassen, werden wir Himmel erleben, hier und jenseits des Horizonts, aber wie das sein wird, wissen wir nicht. Es steht uns gut an, nicht alles zu wissen, auch nicht \u00fcber den Sinn des Kreuzestodes Jesu. Glaubend h\u00e4nge ich an den Lippen des Menschensohnes. Mein Glaube ist Vertrauen in die Kraft der g\u00f6ttlichen Liebe, die in allen Menschen guten Willens am Werk ist.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>(14. April 2012)<br \/>Die Bibel macht mir zunehmend Probleme. Es gibt kaum eine Stelle &#8211; auch im Neuen Testament &#8211; die nicht im Laufe der Tradition so \u00fcberformt wurde, dass der urspr\u00fcngliche Sinn v\u00f6llig ver\u00e4ndert wurde. Dazu kommt die st\u00e4ndige &#8222;schwarze P\u00e4dagogik&#8220;, die mit f\u00fcrchterlichen Strafen, im NT vor allem im Jenseits, droht und so die Menschen bei der Stange halten will, weil die Priester die Macht \u00fcber die S\u00fcndenvergebung an sich gezogen haben.<br \/>Aber besonders die Hinrichtung Jesu, dass Jesus f\u00fcr unsere S\u00fcnden gestorben sei, dass Gott seinen eigenen Sohn nicht geschont habe, um uns von unseren S\u00fcnden zu erl\u00f6sen\u00a0macht mir Probleme. Da steckt ein f\u00fcrchterliches Gottesbild dahinter! Ich verstehe schon, dass die ersten Christinnen und Christen mit dem Fluchtod am Kreuz nichts anfangen konnten und nach einer Deutung suchten. Dass dann die Erbs\u00fcndenlehre\u00a0entwickelt wurde um eine Begr\u00fcndung\u00a0f\u00fcr die S\u00fcndenverfallenheit der Menschen zu haben, das ist f\u00fcr mich ein S\u00fcndenfall, der bis heute schreckliche Folgen gezeitigt hat.<br \/>V\u00f6llig in den Hintergrund tritt dadurch die eigentliche &#8222;Erl\u00f6sung&#8220;, die Jesus mit dem<strong>\u00a0<\/strong><strong>Gleichnis vom barmherzigen Vater<\/strong>\u00a0gegeben hat: Gott ist nicht der opfergierige Patriarch, der seine Kinder klein h\u00e4lt, damit seine gr\u00f6\u00dfe umso deutlicher erscheint, Gott ist kein Blockwart, der jedes kleine Delikt sofort ahndet. Das ist die jesuanische Botschaft schlechthin, auch wenn Jesus selbst als Kind seiner Zeit immer wieder in die schwarze P\u00e4dagogik verf\u00e4llt und von der Urkirche als der Richter an die Seite Gottes gesetzt wird.<br \/>(2011)<\/p>\n<p>F\u00fcr mich gibt es Meilensteine in meinem religi\u00f6sen und theologischen Leben, dazu geh\u00f6ren Begegnungen mit Menschen (ich denke an die Sommerwoche zum \u201eVaterunser\u201c im Bildungshaus Mariatrost mit Bruder David Steindl-Rast, an die christlich-j\u00fcdischen Bibelwochen, an die theologischen Tagungen mit Georg Baudler, Manfred G\u00f6rg, ich denke an Dorothee S\u00f6lle, an Peter Trummer u.v.a.) und wichtige B\u00fccher. Ich bin ein B\u00fcchermensch und kann mich \u2013 bis zur Unkenntlichkeit unterstreichend und Notizen machend, in ein Buch versenken. Zumeist bleiben mir nur ganz wenige konkrete Aussagen im Ged\u00e4chtnis, ich sehe mich auf einem riesigen Strom getragen und geleitet, auch wenn die Menschen, Kathedralen und St\u00e4dte nur undeutlich in Erinnerung bleiben, ich will mich nirgends auf Dauer einrichten, zu sehr bewegen mich neue Erkenntnisse, zu sehr bin ich unterwegs. Wohin die Reise geht, wei\u00df ich nicht, ob am Ende meines Lebens eine liebende Gottheit, die mich in die Arme nimmt, oder die ewige Ruhe steht (die christliche Begr\u00e4bnisliturgie redet ja ganz ungeniert von der ewigen Ruhe als Wunsch f\u00fcr die Verstorbenen, das f\u00e4llt scheint es, niemandem auf\u2026), ich bin offen f\u00fcr beide Optionen, andere gibt es ja nicht.<\/p>\n<p>Von der Lekt\u00fcre des Buches von\u00a0<strong>Klaus-Peter J\u00f6rns \u201eNotwendige Abschiede \u2013 Auf dem Weg zu einem glaubw\u00fcrdigen Christentum\u201c<\/strong>(G\u00fctersloher Verlagshaus 2006, inzwischen in 5. Aufl. erschienen) m\u00f6chte ich in einigen Schritten berichten. Mir war J\u00f6rns schon durch das Buch \u201eGlaubw\u00fcrdig von Gott reden\u201c (2009, Radius-Verlag) bekannt, es war gleichsam die Hinf\u00fchrung auf dieses Werk.<\/p>\n<p>J\u00f6rns ist evangelischer Theologe (*1939), zuletzt Professor f\u00fcr praktische Theologie und Leiter des Instituts f\u00fcr Religionssoziologie in Berlin.\u00a0Will man das Werk in wenigen Worten vorstellen, so geht es darin z. B. um die These, dass alle Religionen Anteil an der Offenbarung Gottes haben und das Christentum (auch nicht das Judentum und der Islam) darin keine Sonderstellung einnimmt. Wenn en Gott als Sch\u00f6pfer des ganzen Kosmos geglaubt wird, dann sind alle Religionen von Gott gewollt und stellen authentische Heilswege dar.\u00a0Es geht also um den Abschied von der Sonderstellung des Christentums.\u00a0Es geht auch um den Abschied von der Vorstellung, dass die Bibel ein einheitliches Werk sei und die Offenbarung mit ihr abgeschlossen sei. Die Bibel ist eine Sammlung h\u00f6chst pluraler Gotteserfahrungen und zeigt eher die Wege und Irrwege auf, die das Volk Israel und das Christentum gegangen sind.\u00a0Ein wichtiges Anliegen ist J\u00f6rns der Gesamtzusammenhang der Sch\u00f6pfung, in der der Mensch sich die Krone aufgesetzt hat und die Mitgesch\u00f6pfe unterdr\u00fcckt. Dieses Pl\u00e4doyer f\u00fcr Tiere als geistbegabte Wesen er\u00f6ffnet ein weites Feld im Hinblick auf unsere Essgewohnheiten.\u00a0Schlie\u00dflich geht es J\u00f6rns um den Abschied von einer S\u00fchneopfertheologie, das ist wohl sein Hauptanliegen. Angefangen von einer unheilvollen Erbs\u00fcndenlehre (die Menschen waren von Anfang an so, wie sie auch heute sind und \u201ees war gut so\u201c) gipfeln die Missverst\u00e4ndnisse in der Interpretation der Hinrichtung Jesu als ein von Gott gewolltes Menschenopfer, das Gott in den Strudel menschlicher Gewalt hineinzieht. \u201eGott ist Liebe\u201c \u2013 das ist die \u201eerl\u00f6sende\u201c Botschaft und das Gleichnis vom barmherzigen Vater ist das neue Paradigma dazu.\u00a0<em>Das Kreuz als christliches Symbol kann f\u00fcr die Bereitschaft stehen, die Liebe Gottes auch durch den radikalen Verzicht auf Gewalt und die F\u00e4higkeit, daf\u00fcr zu leiden, zu bezeugen<\/em>\u00a0(356).<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"http:\/\/mittlinger.at\/w\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Jesus-und-die-Ehebrecherin.docx\">Jesus und die Ehebrecherin<\/a><a href=\"http:\/\/mittlinger.at\/w\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Jesus-und-die-Ehebrecherin.docx\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 \u00a0 (10. 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