{"id":87,"date":"2015-02-23T14:45:00","date_gmt":"2015-02-23T13:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/mittlinger.at\/w\/?p=87"},"modified":"2017-01-27T14:16:12","modified_gmt":"2017-01-27T13:16:12","slug":"prosa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mittlinger.at\/w\/?p=87","title":{"rendered":"prosa"},"content":{"rendered":"<h3>Inhalt:<\/h3>\n<ul>\n<li>die junge frau liegt aufgest\u00fctzt<\/li>\n<li>Kaleidoskop<\/li>\n<li>die claims werden abgesteckt<\/li>\n<li>und sie singen zusammen<\/li>\n<li>manchmal denkt er<\/li>\n<li>das kleine m\u00e4dchen<\/li>\n<\/ul>\n<h2><\/h2>\n<p><span style=\"color: #800000;\"><strong>die junge frau liegt<\/strong> <strong>aufgest\u00fctzt<\/strong><\/span> auf ihrem rechten arm im feuchten sand und l\u00e4\u00dft sich von der verebbenden gischt belecken, vom zur\u00fcckflie\u00dfenden wasser untersp\u00fclen, vom nachrieselnden sand wieder einbetten. die letzten sonnenstrahlen schaukeln, wiegen sich schl\u00e4frig auf den wellen, klimpern dem tage ihr lebewohl zu. die junge frau zeichnet selbstvergessen mit ihrer linken kreise, spiralen, verschlungene ornamente, beginnt nach jedem wellenschlag unverdrossen die gel\u00f6schte tafel wieder mit ihren zeichen zu f\u00fcllen, in die mitte eines labyrinthes setzt sie eine geh\u00f6rnte schnecke als minotaurus, schon kommt theseus \u00fcber das meer gefahren, <strong>ariadne<\/strong> die strahlende jungfrau reicht ihm das wollkn\u00e4uel am eingang in die unterweltlichen gew\u00f6lbe, das weitere wei\u00df der held zu tun, auf naxos ber\u00fchrt mich dionysos im schlaf an der brust, wie kann ich noch daran denken, einem anderen mann anzugeh\u00f6ren. im rhythmus einer kleinen trommel t\u00e4nzeln, kreiseln, wirbeln ihre finger im sand freudig begr\u00fc\u00dft sie ihren vater <strong>jiftach,<\/strong> als er von der schlacht siegreich heimkehrt, was ihm aus seinem haus als erstes entgegenkommt, hat er versprochen zu opfern. es ist immer die kleine tochter die ihrem papa entgegenl\u00e4uft; bevor ich mich schlachten lasse gehe ich mit meinen freundinnen noch in die berge um von meiner kindheit abschied zu nehmen. ein rad zeichnet <strong>katharina<\/strong> und erinnert sich ihrer feurigen dialoge mit den philosophen, ach was sind m\u00e4nner doch schlechte verlierer, der kaiser bietet mir an, die erste frau nach der kaiserin zu werden, aber ich habe mich meinem himmlischen br\u00e4utigam versprochen, was schadet mir alle marter, ich h\u00f6re schon die stimme <em>komm nun meine geliebte und meine braut denn siehe die himmelst\u00fcr ist dir aufgetan. <\/em>helm und krone zeichnet <strong>jeanne<\/strong> und rezitiert <em>lebt wohl ihr berge ihr geliebten triften,<\/em> es sind diese stimmen die mich die r\u00fcstung anzulegen zwingen, <em>nie wird der brautkranz deine locken zieren dir bl\u00fcht kein lieblich kind an deiner brust,<\/em> den dauphin f\u00fchr ich nach reims zur kr\u00f6nung, danach folgen verrat folter verbrennung. <strong>marie-anne-charlotte<\/strong> sp\u00fcrt beim zeichnen eines messers noch einmal die kraft, mit der sie es dem b\u00fcrger marat in die brust st\u00f6\u00dft, <em>ich wollte meinem vaterland den frieden geben,<\/em> ich hab mich selber auf das fallbrett gelegt, der zimmermann legros hat dann meinen kopf dem volk gezeigt und mich geohrfeigt, dass ich deswegen err\u00f6tet sein soll kann ich nicht glauben, ich bin vor zorn rot geworden, aber das konnte der scharfrichter sanson wohl nicht so genau unterscheiden. einen davidstern zeichnet <strong>selma<\/strong> in den sand, <em>das schwerste ist sich verschenken und wissen dass man \u00fcberfl\u00fcssig ist, sich ganz zu geben und zu denken dass man wie rauch ins nichts verflie\u00dft,<\/em> mit rotem stift hab ich an jenem 23. dezember 1941 noch dazugef\u00fcgt, <em>ich habe keine zeit gehabt zu ende zu schreiben,<\/em> dann hat mich die einsatzgruppe d aus czernowitz ins arbeitslager michailowka verschleppt, fast genau ein jahr hab ich durchgehalten. der wind wird st\u00e4rker, er ein k\u00e4lteschauer \u00fcberf\u00e4llt die frau, sie setzt sich auf und reibt sich warm, wickelt sich in eine decke. ein stern gl\u00e4nzt am n\u00e4chtlichen himmel, schimmernd zittert ein lichtfaden auf dem meer, <em>ich bin in sehnsucht eingeh\u00fcllt,<\/em> denkt sie, warum gerade ich und ihr kind h\u00fcpft vor freude in ihrem leib.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #800000;\"><strong>Kaleidoskop<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Frau l\u00e4uft durch den englischen Park, ihre Schritte lenkt sie in seinen verborgensten Winkel, sie hat sich gerade herz\u00fcber verliebt und ist \u00fcbervoll von z\u00e4rtlichsten Empfindungen. Hinausschreien will sie ihr Gl\u00fcck, die ganze Welt m\u00f6chte sie umarmen, ganz hingegeben an den Augenblick, rei\u00dft sie sich die Kleider von ihrem gl\u00fchenden Leib, rot leuchtet ihr lose um einen Arm geschlungener Umhang.<\/p>\n<p>Der Mann ist geblendet von ihrer Sch\u00f6nheit, tr\u00e4umt er, ist es eine Elfe, hat er sich in einen Film verirrt? Er h\u00e4lt den Atem an, kneift sich in die Wange, es ist kein Traum.<\/p>\n<p>Die Frau entdeckt ihn, erschrickt, bedeckt ihren K\u00f6rper, l\u00e4chelt ihm verlegen zu.<\/p>\n<p>Seine Hand streckt er nach ihr aus und sie kommt auf ihn zu, ihr Z\u00f6gern ermuntert ihn, seine Einladung nimmt ihr die Scheu und sie bietet ihm ihr pochendes, atmendes, nach Ber\u00fchrung lechzendes Fleisch dar, zum Verzehr freigegeben, deutet sie ihm<strong><em>\u00a0<\/em><\/strong>und er schl\u00e4gt seine Z\u00e4hne in die k\u00f6stliche Mahlzeit.<\/p>\n<p>Geh niemals allein in einsame Gegenden, dort lauert Gefahr, h\u00f6rt sie die Mutterg\u00f6ttin predigen, sie schlie\u00dft die Augen und sp\u00fcrt den Keuchenden, riecht die Bierfahne des Mannes ihrer Kinderzimmern\u00e4chte. Lebensl\u00e4nglich wird ihr vor Eiwei\u00df ekeln, warum hat die Mutter nie etwas gesehen, Mama was hast du gewusst?<\/p>\n<p>Er wird sein Leben lang nach jener Frau suchen, die ihn ins Knusperh\u00e4uschen gelockt hat. Komm her du lieber Bub, ich schenk dir Mariazell im Schnee, du musst es nur sch\u00fctteln, ich schenk dir ein Kaleidoskop, du musst es nur drehen. Ich schenk dir mein Herz, du musst mich nur streicheln, ja das ist sch\u00f6n, wie gut du es kannst, ja ber\u00fchr mich, k\u00fcss mich mein Kleiner, wie stark du schon bist, wie z\u00e4rtlich du sein kannst.<\/p>\n<p>Und er wird kommen, sie anfallen, zu Boden werfen und ihr Gesicht bedecken.<\/p>\n<p>Und es schmatzt grunzt schnauft und st\u00f6hnt hinter dem Geb\u00fcsch, die Raben er\u00e4ugen anfallende Beute.<\/p>\n<p>Nein, er wird er sie nicht zu Boden werfen, er wird sie zart an der Hand fassen, weil du so voller Liebe bist, wird er ihr zufl\u00fcstern, rennst du in die hintersten Winkel, du suchst den Schmerz, weil du dir gar nicht vorstellen kannst, dass es einen Menschen gibt, der dich so lieben k\u00f6nnte, wie du es dir ersehnst.<\/p>\n<p>Ich werde dir die faltigen Gewissensqualen aus deinem Gesicht f\u00e4cheln.<\/p>\n<p>Die Reinheit wirft immer einen Hurenschatten, h\u00f6rt er sich sagen.<\/p>\n<p>Die Frau l\u00e4uft in den hintersten Winkel des englischen Parks, ans Ende der Welt m\u00f6chte sie rennen und ungesehen den zerbrechlichen Schatz jener den missg\u00fcnstigen G\u00f6ttern entgangenen Augenblicke aus dem seidenen Umhang entbergen, die kostbaren Gesten, die kosenden Lippen, die ber\u00fchrenden Stammelw\u00f6rter noch einmal erinnern.<\/p>\n<p>V\u00f6llig unerwartet ist ihr das Gl\u00fcck der Liebe widerfahren, dass so etwas ihr passiert, hatte sie sich doch schon l\u00e4ngst mit der Vergangenheitsform angefreundet und das Eswareinmal war ihr lieb geworden.<\/p>\n<p>Das Herz will ihr bersten, da kommt der Mann und redet sie an und ist so hungrig und er ist so ausgezehrt und alle seine Gesten schreien nach Erf\u00fcllung.<\/p>\n<p>Und er ist ihr N\u00e4chster und er ist unter die R\u00e4uber gefallen und er bedarf ihrer und sie gibt ihm, was sie hat.<\/p>\n<p>In der Nacht kommt sie in das Bett des M\u00e4dchens, w\u00e4rm mich, ich hab so kalt. Sie schmiegt sich an den kleinen K\u00f6rper, es stellt sich schlafend, ihre Tr\u00e4nen rinnen \u00fcber seine Haare. Mama, fl\u00fcstert es, Mama wein doch nicht. Sie umarmen sich, der kleine Mund findet den gro\u00dfen Mund.<\/p>\n<p>Er kann nicht einschlafen nach dem Sturz vom Felsen, der verstauchte Fu\u00df schmerzt f\u00fcrchterlich, diese Salbe nimmt die Schmerzen sagt der Trainer und schmiert ihm den Fu\u00df ein. Seine massierenden H\u00e4nde tun ihm wohl, \u00fcberlagern den Schmerz, weiter kreisen sie, erforschen das Umland, streifen durch Geb\u00fcsch und Flur und entdecken jenseits des Horizonts das Land der Geysire und hei\u00dfen Quellen. Die Schwefeld\u00e4mpfe lassen sie in einen bilderreichen Schlaf fallen.<\/p>\n<p>Kaum ist er wieder auf den Beinen, wachsen ihm Rei\u00dfz\u00e4hne, er sperrt sein Maul auf, um sie zu verschlingen, sein Atem wird zum Orkan, der sie aus ihrem Schifflein zu fegen droht.<\/p>\n<p>Sie erwacht sie aus dem Schlaf und gebietet dem Sturm. Es tritt jene Stille ein, die als Seil \u00fcber die Abgr\u00fcnde gespannt ist, darauf zu balancieren sie sich fortan verordnet.<\/p>\n<p>Sie fl\u00fcchtet vor den vollen Rundungen, vor den weichen Lippen, die sie sich verboten hatte die ganzen Jahre. Wie es in jenem Lied hie\u00df, das sie beim Lagerfeuer in den Bergen sangen, vom jungen K\u00f6nig und vom Reiterbuben, die sich jenseits des Tales begehren, solche Lippen sind das.<\/p>\n<p>Als sich die Liebenden auf der Leinwand k\u00fcssen, streift die fremde Frau neben ihr wie unabsichtlich an ihr Knie, sie kann, will nicht wegr\u00fccken, die H\u00e4nde ber\u00fchren sich, Finger tasten suchend \u00fcber schaudernde Haut, alles ist so weich und warm, kein Bieratem, kein Eiwei\u00dfgeruch.<\/p>\n<p>Der Mann, der ihr in den Park folgt, soll ihr durch seine fordernden K\u00fcsse jene Sehnsucht \u00fcberdecken, soll jenen Tr\u00e4umen ein Ende bereiten, es soll ein Text \u00fcberschrieben werden, von dem sie zuvor heimlich eine Kopie gefertigt und diese schreibgesch\u00fctzt unter einem Passwort abgelegt hat, wie dies die M\u00e4dchen zu allen Zeiten zu tun pflegten und die kleinen Buben auch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(2007)<strong>\u00a0<\/strong>Kaleidoskop<strong>\u00a0<\/strong>in: Reibeisen, Das Kulturmagazin aus Kapfenberg, hg. vom Europa-Literaturkreis Kapfenberg, Nr. 24, Jahrgang 2007, 99;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #800000;\"><strong>die claims werden abgesteckt<\/strong><\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">die reviere markiert die autos gegen ungebetene g\u00e4ste in form der alten wagenburgen am rand des territoriums geparkt heringe werden ins erdreich getrieben hell klingen die hammerschl\u00e4ge in die mittagsruhe zelte werden aufgeschlagen bikinis und badehosen angezogen alle vorbedingungen f\u00fcr einen ordentlichen sonnenbrand erf\u00fcllt tische und sessel aufgeklappt w\u00e4scheleinen gespannt exakt berechnet der abgrenzungseffekt der sich durch nasse handt\u00fccher ergeben wird stromkabel werden verlegt man will ja auch im urlaub nicht auf die elektrische zitruspresse verzichten hier im s\u00fcden schmeckt der frischgepresste saft aus sonnengereiften orangen unvergleichlich besser und man wei\u00df auch was im glas ist, dort und da eine transportable satsch\u00fcssel justiert die kinder sitzen schon ungeduldig vor den fernsehern die k\u00fchlschr\u00e4nke werden mit mitgebrachtem geladen den babies werden planschbecken mit wasser gef\u00fcllt schlauchboote luftmatratzen aufgepumpt fahrr\u00e4der von den dachtr\u00e4gern gehoben gaskocher angeschlossen f\u00fcr die ersten streitereien mit den nachbarn ausgiebig argumente gesammelt kurzwellensender auf die heimatlichen wellen konditioniert die mobiltelefone getestet der horizont nach sendemasten abgesucht holzkohle und grillanz\u00fcnder bereitgestellt um die zelte werden wassergr\u00e4ben gezogen plastiks\u00e4cke als mistk\u00fcbel definiert die obligate gusseiserne pfanne f\u00fcr steaks ausgepackt federballschl\u00e4ger b\u00e4lle bocciakugeln angelzeug strandmatten badesandalen \u00fcberlebensmesser sonnenh\u00fcte aus dem kofferraum geholt sonnensegel gesetzt die ersten bierflaschen geleert die schreienden kinder verwarnt der hund angepflockt die schlafs\u00e4cke ins innenzelt gestopft salat gewaschen dazwischen ein hansalbersblick<strong>\u00a0<\/strong><em>unter fremden sternen<\/em>summend auf die see geworfen die hotelmenschen bedauert in ihrer l\u00e4cherlichen zivilisationsverhaftetheit in die aufgeschnittenen w\u00fcrstel wird k\u00e4se eingelegt mit speck umwickelt mit zahnstochern fixiert und eine strecke auslegt sich urzeitlicher jagdbeute erinnernd ketchup und senf bereitgestellt gurken gesch\u00e4lt essig und \u00f6l verzweifelt gesucht ein kleines kind mischt indessen ins spiel versunken den salzvorrat mit sand sch\u00fcttet limonade dazu und beginnt einen teig zu kneten die k\u00fcchenrolle ist unauffindbar dosen werden ge\u00f6ffnet babys trockengelegt und gestillt katzen gef\u00fcttert kinder stolpern \u00fcber zeltschn\u00fcre heringe werden aus dem boden gerissen schreianf\u00e4lle werden m\u00fchsam unterdr\u00fcckt sch\u00fcrfwunden gereinigt pflaster geklebt tr\u00e4nen getrocknet schwei\u00df von der stirne gewischt die kinder in die zelte gejagt fernsehverbote werden ausgesprochen auf den tischen gelsenlichter entz\u00fcndet der wind verteilt den bei\u00dfenden rauch der grillfeuer einer endlosen reihe von stellpl\u00e4tzen sie w\u00fcrden f\u00fcr die halbe amerikanische pr\u00e4rie reichen aber nur das eigene feuer z\u00e4hlt und der sternenhimmel die umgebung wird ausgeblendet in den m\u00e4nnern glost die sehnsucht nach den abenden am lagerfeuer ihr gang wird zusehends breitbeiniger nach einem langen ritt durch die pr\u00e4rie fallen sie todm\u00fcde von den pferden salzverkrustet und staubbedeckt die sehnsucht nach wasser nach einem bad im fluss l\u00e4sst sie alles andere vergessen die aufgesprungenen lippen schl\u00fcrfen gierig die letzten tropfen aus dem wasserbeutel und wenn dann nach dem erdverbundenen abnagen der letzten rippchen sich die m\u00e4nner zum gemeinsamen umtrunk sammeln kommen sie eine tagereise weit aus einer anderen welt ihrer eigentlichen heimat aus einsamkeit staub und gestank sie l\u00fcmmeln am tresen schauen den frauen beim geschirrsp\u00fclen zu aus der hildegard wird die lola aus der brigitte die susie an ihren h\u00fcften klebt das begehren eines endlosen rindertriebes von santa monika nach laremy mit den geschichten von den dirnen den willigen frauen mit denen sie die lodernden flammen in den endlosen n\u00e4chten sch\u00fcrten am brennen hielten bis eine wiskeyschwere hand das feuer l\u00f6schte und schweratmende cowboys von sch\u00f6neren s\u00fcnden tr\u00e4umten in ihren blusen t-shirts bikinioberteilen verfangen sich ihre blicke \u00e4rmell\u00f6cher und verrutschte ausschnitte knapp sitzende h\u00f6schen weiten die pupillen die vergilbten marschbefehle werden hervorgekramt und zur rechtfertigung vorgetragen die frauen wollten es so und alles zickige getue sei nichts als herausforderung in wahrheit z\u00e4hle ja bei ihnen nur ein mann der es ihnen ordentlich besorge und wenn es dann k\u00fchl wird die lichter herabgebrannt sind schleichen sie stolpern \u00fcber nachtt\u00f6pfe schwimmreifen limonadeflaschen in die zelte zu ihren l\u00e4ngst schlafenden frauen streicheln kneifen lecken sie wach schlaftrunken werden die alten rechnungen beglichen sei doch nicht so laut die kinder k\u00f6nnten uns h\u00f6ren die nachbarn sind noch wach psst h\u00f6r treiben die es neben uns das k\u00f6nnt ich nie und in jedem zelt sehnt sich ein mann nach den geschichten am lagerfeuer und dass sie ein einziges mal wahr w\u00fcrden<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2><span style=\"color: #800000;\"><strong>und sie singen zusammen<\/strong><\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">der franz und der hans und es ist wie es fr\u00fcher war es geht ums dirnderl es geht ums liabhobn und jeder jodler k\u00fcndet von jauchzender erf\u00fcllung und sie sind das volk der hans war sparkassendirektor und der franz holzarbeiter <em>in der st\u00fcll in der ghoam <\/em>singen sie <em>schleicht da vetter zu der moahm\u00a0 <\/em>und um die bank vor der h\u00fctte versammeln sich k\u00f6hler holzf\u00e4ller f\u00f6rster j\u00e4ger bauernm\u00e4dchen sennerinnen m\u00e4gde wirtst\u00f6chter <em>wenn ich mich richtig erinnere war es gott der die liebe erschuf und die leidenschaften und deine lust nach mir und meine gier nach dir und das paradies haben wir uns selbst vermurkst <\/em>und sie singen zusammen der franz und der hans und es ist wie es fr\u00fcher war es geht ums dirnderl es geht ums liabhobn und jeder jodler k\u00fcndet von jauchzender erf\u00fcllung und vom heimschleichen in der fr\u00fch und sie sind das volk und der hans war sparkassendirektor und der franz holzarbeiter <em>in der st\u00fcll in der ghoam <\/em>singen sie <em>s&#8217;dirndl is kloan kann net schlafen alloan <\/em>und alle sp\u00fcren die stimmen ihres blutes und die gstanzeln fliegen hin und her\u00fcber neue vierzeiler werden gedichtet wein und schnaps ausgeschenkt und die m\u00e4dchen err\u00f6ten wie es sich geh\u00f6rt bei den derben scherzen und die sonne sinkt man r\u00fcckt n\u00e4her zusammen die burschen machen sich hoffnungen die m\u00e4dchen z\u00e4hlen insgeheim ihre tage ein feuer wird entz\u00fcndet die lieder werden inniger leiser wangen gl\u00e4nzen im lichtschein <em>immer wenn sie diesen mann ansah wurde ihr ganz schlecht vor erregung sie musste dann schnell aufs klo er verzog nur ein wenig den mund ich krieg dich baby so ist es dann auch gekommen <\/em>und sie singen zusammen der franz und der hans und es ist wie es fr\u00fcher war es geht ums dirnderl es geht ums liabhobn und jeder jodler k\u00fcndet von jauchzender erf\u00fcllung und vom heimschleichen in der fr\u00fch und sie sind das volk und der hans war sparkassendirektor und der franz holzarbeiter <em>in der st\u00fcll in der ghoam <\/em>singen sie <em>s&#8217;dirndl hot gsagt i soll keman auf d&#8217;nocht sie hots betterl wei\u00df bett und&#8217;s t\u00fcrl aufgmocht<\/em> und der wein erhitzt sie finger h\u00e4nde erinnern sich verschwiegener pfade im dunkeln begeben sich auf wanderschaft <em>ich halt es nicht mehr aus ich bin doch nicht seine leibsch\u00fcssel kupplung gang rein gas so funktioniert das nicht bei mir auch nach so vielen jahren will ich bemerkt werden ich rei\u00df dieser br\u00fcnstigen gei\u00df die die haare aus ich renn ihm ein messer in den bauch <\/em>und sie singen zusammen der franz und der hans und es ist wie es fr\u00fcher war es geht ums dirnderl es geht ums liabhobn und jeder jodler k\u00fcndet von jauchzender erf\u00fcllung und vom heimschleichen in der fr\u00fch und sie sind das volk und der hans war sparkassendirektor und der franz holzarbeiter <em>in der st\u00fcll in der ghoam<\/em> singen sie <em>es geht alles in der st\u00fcll wenn ma w\u00fcll<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #800000;\">manchmal denkt er<\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">kennt er sich nicht wieder bei seiner geburt gab es in seinem elternhaus noch kein elektrisches licht keine stra\u00dfe f\u00fchrte zum bauernhof nat\u00fcrlich gab es bis in die sechzigerjahre keinen traktor k\u00fche wurden als zugtiere verwendet w\u00e4ren da nicht die sentimentalen erinnerungen an den krieg gewesen und die schicksale der auswanderer nach amerika er h\u00e4tte ebensogut ein jahrhundert fr\u00fcher auswachsen k\u00f6nnen und es w\u00e4re wohl das gleiche leben gewesen die gleichen geschichten im schatten wenn das heu zur mittagszeit trocknet das strenge zeremoniell der fronleichnamsprozession die totenwachen das sauabstechen das fensterln die umherziehenden bettler ohne die neujahrsgeiger f\u00e4ngt kein jahr gut an das blochziehen mit den furchterregenden gestalten die maiandachten w\u00e4re das nicht das radio und freddy quinn ohne das meer gesehen zu haben kennt er jene sehnsucht <em>es kommt der tag da will man in die fremde<\/em> denn der vater bekommt gl\u00e4nzende augen <em>dort wo man lebt scheint alles viel zu klein<\/em> und seine frau f\u00e4hrt ihm durchs haar und l\u00e4\u00dft ihn <em>f\u00e4hrt ein wei\u00dfes schiff nach hongkong <\/em>summen sie wei\u00df aufwachen aus seinen tr\u00e4umen wird er in ihren armen und er wird sie begehren der tod erst wird sie scheiden <em>aber dann in weiter ferne hab ich sehnsucht nach zu haus und ich sag zu wind und wolken nehmt mich mit ich tausche gerne all die vielen fremden l\u00e4nder gegen eine heimfahrt aus <\/em>und er f\u00fcttert vergn\u00fcgt seine k\u00fche m\u00e4ht seine wiesen stapft schwitzend hinter seinem pflug s\u00e4t sein korn und geht am sonntag in seine kirche und sein bub h\u00f6rt ihn die alten schlager singen und pfeifen das war meine kindheit denkt er die tr\u00e4ume der seeleute die sehnsucht der legion\u00e4re und die freiheit der matrosen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #800000;\"><strong>das kleine m\u00e4dchen<\/strong> <\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">w\u00fcnscht sich ein m\u00e4rchen eines erfinden ist wohl die sch\u00f6nste form des schreibens es ist so viel dabei zu bedenken nicht mit dem kopf ein m\u00e4rchen muss im herzen ersonnen werden und du musst ein ganz bestimmtes m\u00e4dchen vor augen haben und es nur f\u00fcr dieses m\u00e4dchen schreiben ist das m\u00e4dchen ein kleines freches rabenvieh dann musst du ein ernstes ein trauriges m\u00e4rchen in dir suchen ist es ein stilles m\u00e4dchen dann nimm alle deine kr\u00e4fte zusammen und gib sie seinem ebenbild und zeig ihm wie stark es sein kann aber nicht direkt m\u00e4rchen haben keine moralisierenden zeigefinger sie haben \u00fcberhaupt keine moral von einem m\u00e4dchen mit roten haaren von einem schielenden buben erz\u00e4hl erw\u00e4hn dass er eine zahnregulierung n\u00f6tig h\u00e4tte oder immer wieder vor angst in die hose macht erz\u00e4hl dass auch stotternde m\u00e4dchen und besonders zappelphilippinen die heldinnen der m\u00e4rchen sein k\u00f6nnen und hinter dem sarg nachgehen m\u00fcssen in dem ihre mutter liegt die sich vor den zug geworfen hat weil ihr mann zu ihrer kinderg\u00e4rtnerin beate gezogen ist am offenen grab hat das kleine m\u00e4dchen ihrer bleichen mutter versprochen die beiden wieder auseinander zu bringen und das war nicht blo\u00df so hinversprochen es hat gleich am friedhof damit begonnen die kinderg\u00e4rtnerin beate aufs innigste zu lieben und zu ihr ab sofort mama zu sagen und hat den papa best\u00fcrmt und bedr\u00e4ngt die beate seine neue mama doch ins haus zu holen und wie gl\u00fccklich es war hat sie den beiden deutlich gezeigt so einfach hatten sie es sich mit dem kleinen m\u00e4dchen nicht vorgestellt verliebt wie sie waren merkten sie nicht dass das kleine m\u00e4dchen t\u00e4glich beim nachhauseweg von der freundin im friedhof beim muttergrab weinte und seine mama nicht vergessen hatte aber davon hatten wie gesagt der vater und seine beate wirklich keine ahnung als das m\u00e4dchen einmal einen wirklich sehr sch\u00f6nen pulli seiner mama aus dem kleiderschrank holte und beate vorschlug ihn doch anzuziehen war beate ganz ger\u00fchrt und sah in diesem vorschlag einen weiteren beweis daf\u00fcr dass das kleine m\u00e4dchen \u00fcber den tod seiner mama hinweg sei und beate trug ihn ihm zuliebe eine zeitlang sp\u00e4ter deutete das m\u00e4dchen an wie gut seiner neuen mama beate doch blond stehen w\u00fcrde und auch dieses wurde dem kleinen m\u00e4dchen erf\u00fcllt so ging es weiter und binnen weniger wochen hatte das kleine m\u00e4dchen die neue mama beate zu einer bis in die gesten und in den tonfall hinein perfekten nachbildung der verstorbenen mama gemacht wie schuppen fiel es dem mann von den augen als er eines abends beim fernsehen sie zu k\u00fcssen versuchte und sie nicht jetzt liebling antwortete genau jene worte die ihn seinerzeit in die arme der kinderg\u00e4rtnerin getrieben hatten und da wirst du dann einbekennen m\u00fcssen wie schwierig es ist ein m\u00e4rchen zu schreiben das auch gut ausgeht denn es hatte nun das kleine m\u00e4dchen zwar seinen vater zur\u00fcckerobert und eine b\u00f6se stiefmutter ausgeschaltet aber weit und breit trabt kein prinz auf einem feurigen rappen heran und wie willst du sonst dein und wenn sie nicht gestorben sind anbringen<\/p>\n<p><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inhalt: die junge frau liegt aufgest\u00fctzt Kaleidoskop die claims werden abgesteckt und sie singen zusammen manchmal denkt er das kleine m\u00e4dchen die junge frau liegt aufgest\u00fctzt auf ihrem rechten arm im feuchten sand und l\u00e4\u00dft sich von der verebbenden gischt belecken, vom zur\u00fcckflie\u00dfenden wasser untersp\u00fclen, vom nachrieselnden sand wieder einbetten. die letzten sonnenstrahlen schaukeln, wiegen &hellip; <a href=\"https:\/\/mittlinger.at\/w\/?p=87\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">prosa<\/span> weiterlesen <span 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